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Es war einmal ein
sehr fleißiger Schlehdornsammler. Morgens ganz früh, bevor der Hahn noch krähte,
stand er auf, machte sich auf den Weg, legte manche Kilometer zurück, bis er
den Schlehdornbusch erreicht hatte. Er schnitt mit seinem großen Messer die
getrockneten Sträucher, bündelte sie mit einem Seil an. Sträucher, die auf der höheren
Ebenen des Gebirgshanges wuchsen, machten ihn viel zu schaffen. Denn er müsste
bergauf steigend und auch diese getrockneten Pflanzen, die nun ja dort
vereinzelt vorkamen, auch zu schneiden und mitzunehmen. Er nahm trotzdem diese
Anstrengung auf sich, um seine Familie damit ernähren zu können. Denn er
verkaufte diese Sträucher als Brennmaterial.
Den größten Teil
seiner Sammlung bot er auf dem Dorfmarkt feil. Mit diesem Geld kaufte er
Lebensmittel ein. Seine Frau kochte diese dann. Für die Küche brauchte sie den
kleinen Rest des Schlehdorns als Brennmaterial, den der Schlehdornsammler jeden
Tag nach dem Markt auch noch nach Hause mitschleppte.
So ging jedes Jahr
so weiter und er bestritt sein Lebensunterhalt mit dem Verkauf der getrockneten
Pflanzen. Die ohne hin anstrengende Arbeit wurde noch mühsamer, je älter er
wurde. Die Tochter war inzwischen groß und half der Mutter bei der Arbeit im
Haushalt. Sie fühlten sich zufrieden, und begnügten sich, was sie hatten.
Ein alter und weißbärtiger
Mann betrachtete ihn, wie er seine Arbeit mit Ehrfurcht und Zufriedenheit
leistete und sich nie beklagte. Er sagte zum Schlehdornsammler: "Ich bin
ein mittelloser Mensch und habe kaum zum Essen. Meine Familienmitglieder sind
alle tot. Ich bekomme keine Rente. Ich sehe, wie tapfer und mühsam du
arbeitest. Ich kann nicht so viel arbeiten. Diesen wenigen Strauche, die ich
sammele, reichen nicht einmal für das Kochen einer Mahlzeit."
Er nahm aus seiner
Tasche seine sechs letzten Pfennigstücke und gab ihm drei Pfennige, denn er
dachte, dass der weißbärtige alte Mann in Not sei, und er konnte an diesem Tag
noch länger arbeiten.
Um seine Dankbarkeit
zu zeigen, gab der alte Mann ihm drei Steine, die so gewöhnlich aussahen, als wären
sie von den hohen Gebirgsfelsen durch einen Steinbruch herunter gerutscht
worden sein. "Nimm diese Steine als ein Zeichen meiner Dankbarkeit."
Der
Schlehdornsammler nahm die Steine und betrachtete sie. Es waren gewöhnliche
Steine, die zu Tausenden in seiner Umgebung lagen. Trotzdem nahm er die Steine,
um den alten Mann nicht zu beleidigen.
Bevor sie sich
verabschiedeten, rief der alte Mann: "Du wirst eines Tages sehr reich
werden". Vergiss aber nicht, monatlich von deinem Reichtum drei Pfennige
Kichererbsen und Rosinen zu kaufen und diese unter den Bedürftigen zu
verteilen."
Der
Schlehdornsammler ging nach Hause, berichtete seiner Frau von diesem
eigenartigen Vorfall. Seine Frau war davon nicht begeistert, und bemerkte:
"Von diesem Geld hättest du ein Paar Ohrringe für deine Tochter kaufen
sollen, die sie sich so sehr wünscht. Seine Freunde machten sich über ihn
lustig, als er diese Geschichte in der Teestube seines Dorfes erzählte.
Seine Tochter nahm
die Steine und spielte mit ihnen. "Es waren schöne Steine", sagte
sie. Der Vater bestätigte die Worte seiner Tochter, als er die Steine genau
betrachtete. Als am nächsten Tag der Vater nach Hause kam, nahm er die Steine
und legte sie auf einen hohen Regal und sagte: "Diese Steine bedeuten für
mich sehr. Denn sie sind ein Zeichen der Anerkennung, womit der alte Mann sich
bei mir bedankt hatte." So begnügte er sich damit, die Steine jeden Tag
nach seiner Arbeit anzuschauen, zumal die Steine noch schöner und farbenprächtiger
als Vortag aussahen. Über diese Seltsamkeit hat er nichts weiter Gedanken
gemacht, jedoch verliehen ihm die Steine mehr Kraft, noch länger zu arbeiten.
Eines Tages, bevor
er zur Arbeit ging, sah er die Steine, von deren Schönheit und Glanz er sehr
angetan wurde und ihm jene Kraft verlieh, die Anstrengungen dieser mühsamen
Arbeit zu ertragen. Tatsächlich waren die Erträge an diesem Tag so gut, dass
er für die Schlehdornbündel mehr Geld bekommen hat.
An diesem Tag kam er
nicht wie gewöhnlich nach Hause, sondern er ging zu einem Juwelierladen, um den
langersehnten Wunsch seiner Tochter zu erfüllen.
Als er bezahlen musste,
bemerkte der Geschäftsmann seine Steine. Er nahm die Steine an sich in der Hand
und untersuchte sie gründlich. "Diese sind unbezahlbare Edelsteine. Hätte
ich soviel Geld, dann hätte ich bestimmt sie alle gekauft. Aber ich kann nur
einen kaufen", sagte der Geschäftsmann. Er gab ihm für diesen Stein Geld,
seine übrige Edelsteine und zusätzlich die Adressen der großen Geschäfte,
bevor er sein Laden verließ.
Nach und nach
verkaufte der Schlehdornsammler die Edelsteine. Damit wurde sehr reich. Sein
Reichtum vermehrte sich jeden Tag. Von seinem Gewinn kaufte er monatlich
Kichererbsen und Rosinen und verteilte sie an die Bedürftigen. Er vergaß nicht
diesen Brauch, als er beim Hofe des König einen hohen Rang erlangte.
Ab dieser Zeit
nannte man ihn nicht mehr Schlehdornsammler, sondern Geschäftsmann, so dass er und
seine Familie im Kreise der Königsfamilie sehr beliebt waren und vom König als
Minister ernannt wurde.
Inzwischen musste er
viele Termine wahrnehmen. Der König hatte auch eine Tochter, die mit der
Tochter des Ministers befreundet war. Sie spielten gemeinsam. Seine Termine ließen
ihn nicht zu, dass er sich Zeit nahm, ab diesem Zeitpunkt jenen Brauch Genüge
zu tun.
Als die Königstochter
ins Schwimmbad ging, nahm sie ihre beste Freundin mit. Sie zogen ihren Schmuck
aus und stellen diese an einem Regal an der Wand. Die Königstochter ging ins
Wasser und rief: "Komm, das Wasser ist herrlich." Die Tochter des
Wisir sah in diesem Augenblick, dass die Wand auf einmal sich entzweit hatte
und die Schmücke der Königstochter verschluckte. Sie rief aufgeregt: "Königstocher,
dein Schmuck ist von der Wand verschluckt worden." Die Königstochter
lachte, denn sie dachte, sie mache Spaß. Als sie sich anzog und ihr Schmuck nehmen wollte, bemerkte sie,
dass kein
Schmuck da war. Die Königstochter war
aufgeregt: "Gib mir mein Schmuck her."
Als der König dies
hörte, beschlagnahmte alle Reichtümer des Wisirs und sperrte ihn ins Gefängnis
ein. Im Gefängnis dachte er nach. Plötzlich fiel im ein, dass er in diesem
Monat den Brauch vergessen hatte, für drei Pfennige geröstete Kichererbsen und
Rosinen unter Bedürftigen zu verteilen.
Er bereute seine
Vergesslichkeit und bat den Gefängniswächter, ob er seine letzte drei Pfennige
haben kann. Der Gefängniswächter, der ihn wegen seinem Benehmen schätze, gab
ihm seine drei Pfennige. Aus dem Fenster seiner Zelle sah er eine Hochzeitszug
vorbeireiten. Der Schah (König wird der Bräutigam genannt) saß auf seinen
Pferd. Er hatte einen weißen Hochzeitsgewand. Die Braut hatte ein buntes
Hochzeitskleid an und ebenfalls ritt. Der Schlehdornsammler rief aus dem Fenster
hinaus. Kann jemand für mich für drei Pfennige Kichererbsen und Rosinen
kaufen. Der Schah erwiderte: "Heute ist meine Hochzeit. Lass meine Gäste in
Ruh".
Der Hochzeitszug
entfernte sich. Der Schah ist aus dem Pferd gefallen und hatte sich am Bein
verletzt. Alle Gäste haben ihn ausgelacht.
Da sah der Häftling
eine alte Frau vorbeigehen. "Mutter", sagte er, "könntest du mir
für drei Pfennige Kichererbsen und Rosinen kaufen".
Die alte Frau sagte:
"Mein Sohn liegt im Krankenhaus. Ich besuche ihn. Die Ärzte sagen, dass
seine Krankheit unheilbar sei. Auf eine Minute kommt es nicht an, wenn ich später
dort ankomme."
Sie nahm die drei
Pfennige und erfüllte den Wunsch des Häftlings. Als die Frau im Krankhaus
angekommen war, sah er seinen Sohn hin und her laufen. Er hat kein Schmerzen
mehr. Die Ärzte wunderten sich, warum er plötzlich gesund wurde.
Inzwischen ist der
39. Tag. Der Termin wird morgen ablaufen, den der König gesetzt hatte.
Ansonsten werden sämtliche Familienmitglieder ins Gefängnis geworfen, falls
der kostbare Schmuck der Prinzessin nicht auftauche.
Der Königstochter
ging am 39. Tag wie jede andere Tag auch ins Schwimmbad. Nachdem sie sich
angezogen hat, sah sie plötzlich die Wand, die den Schmuck der Königstochter
herausgespuckt hat. Sie rannte zu seinem Vater und berichtete ihm, was tatsächlich
vorgefallen war. Der König ordnete an, den Schlehdornsammler frei zu lassen,
sein Eigentum wiederzugeben. Ab diesem Zeitpunkt vergaß der Schlehdornsammler,
der inzwischen am rechten Teil des Thrones als Wasir der rechten Hand des Königs
saß, nie diesen Brauch.
Nach einem Motiv aus
einem afghanischen Märchen "Baba Kharkasch".
Diese Geschichte
wird den Kindern erzählt, während die Großeltern bzw. Erwachsenen die gerösteten Kichererbsen und Rosinen
zu Ehren des als "Überwinder der Schwierigkeiten" bezeichneten
vierten Kalifen Ali reinigen und als Nachtisch essen. In Kabul gibt es ein Viertel,
in dem Röstereigeschäfte nebeneinander sind. Dieser Brauch ist wahrscheinlich
inzwischen von Niemanden wahrgenommen. In alten Zeiten hat der Vater, als er
seinen monatlichen Lohn bekam, ging er als erstes Kichererbsen und Rosinen für
diese feste Zeremonie (Nazre Ali Moschkel Goscha = Gelübde zu Ehren von Ali,
der Überwinder der Schwierigkeiten ) zu kaufen, bevor er andere Lebensmittel kaufen wollte.
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