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Zusammenfassung
eines 46minutigen Beitrags von „Farda16“ (Nickname) im Afghan
Kultur Center (AKC) bei Paltalk
frei
übersetzt von Dr. Mir Hafizuddin Sadri
Sarahang
(„Gipfel vom Klang“) ist der Titel, den der ehemalige König und
heutige Vater der Nation „Baba e Mellat“, Mohammad Zaher Schah,
dem Meister der Meister verliehen hat.
In
der Khadja-Khordak-Gasse von „Kharabad“, der Kabuler Altstadt
und dem traditionellen Künstlerviertel, unweit von „Hindugozar“,
einem Wohngebiet der Afghanen mit hinduistischen Glaubensrichtungen
erblickte Ustad Mohammd Hossein Sarahang im Sonnenjahr 1296 (1917
des gregorianischen Kalenders) das Licht der Welt.
„Kharabad“ ist in der
Literatur des gemeinsamen iranisch-tadschikischen und
afghanisch-indischen Kulturkreises viel besungen und bedeutet
soviel wie „Schenke“, „Taverne“, „Welt“ und
„Meditationszentrum.“
Seine
Grundausbildung in der Musik erfuhr Mohammad Hossein bereits von
Kindesbeinen an bei seinem Vater Ustad Gholam Hossein. Bald ging er
nach Indien, um bei dem Meister Ustad Aschoq Ali Khan, bekannt als
„Licht von Punjab“, zu studieren. Dort war er 16 Jahre lang mit
vielen Schulen und Musikdisziplinen, insbesondere mit den vier
Grundgattungen der indischen klassischen Musik konfrontiert, die mit
vier Grundelemente des Lebens verbunden ist.
Seine Vorliebe galt der
„Raga“, jener „göttlichen Musik“, die den Spieler bzw. Sänger
und deren Zuhörer in eine erhabene Stimmung führt. Mohammad
Hossein Sarahang ist stark von dem Musikstil „Djahalli“ (wörtlich
in Dari „Ekstase“), der dritten indischen Musikbewegung
beeinflusst, so dass er das gleiche musikalische Segment in vielfältigen
tonalen Variationsmustern und verschiedenen temporalen
Schnelligkeit, von langsam bis hin zum maximalen Tempo steigern und
seine Zuhörer in einer intensiven Interaktion zwischen äußerer
und innerer Welt mitreißen konnte.
Doch
zeichnet ihn seine Kunstfertigkeit in den musikalischen Darbietungen
des vom indischen Dari-Dichter Amir Chosrau
Dehlawi (1253-1325 n. Chr.)
kreierten Musikstil „Khe-yal“ -in der Sprache Dari bedeutet
„Phantasie“, „Traum“, „Vision“ -, in Indien „Kyal“
genannt, aus. Der Vater des Dichters wurde in Balch (heutige Maraz e Scharif
im Norden von Afghanistan) geboren und floh vor den Überfällen des
Ostens nach Indien. (1)
Daneben
interpretierte Ustad Sarahang
die Verse eines anderen indischen Dari-Dichters Behdel Dehlawi“.
Dehlawi (aus Delhi), gestorben 1725 n. Chr., ist stark von dem
„Weisen von Shiraz“ Moscharrafuddin ibn e Moslehuddin, genannt
Saadi e Scherazi (1213? 1229?-1292 oder 1294), geprägt.
Saadi
war einer der bedeutendsten iranischen Dichter, dessen Lyrik-
Sammlung "Golestan" (Blumengarten) und die Sammlung seiner
lyrischen Prosa "Bustan" (Obstgarten), zwei Meisterwerke,
die die morgenländische humanistische Tradition widerspiegeln.
Ustad
Sarahang wurde von verschiedenen Musikkonservatoren, Akademien und
Universitäten in Indien mit diversen Titeln wie „Krönung der
Musik“, „Gipfel des Klanges“, „Vater der afghanischen
klassischen Musik“, „Gedicht der Musik“ beehrt bis hin zu 21
Professoren- und Ehrendoktorwürden. Zwei Medaillen erhielt er von
Pakistan, zwei von Afghanistan und 100 von Indien.
Der
Verfasser des Buches „Von der Stimme bis zum Klang“ schreibt:
„In Afghanistan hat bis jetzt keiner die Virtuosität gehabt, die
klassische afghanische Musik so zu beherrschen, wie Ustad Sarahang
dies gehandhabt hat .“
Lieder,
Musik und Tanz, die einst im Laufe der 3000jährigen Geschichte, vor
allem wegen der hinduistischen Tradition des Landes, insbesondere während
der toleranten Kabulshaian-Dynastien (8.-10.Jhd. n.Chr.) mit zu dem
religiösen Brauch gehörten, wurden in Folge von bewaffneten
Auseinandersetzungen, Invasionen und der Herrschaft der Kriegsherren
zunichte gemacht. Den islamischen Gelehrten seit der
morgenländischen
Renaissance und speziell dem ebenfalls in Balch geborenen Mawlana
Djalaluddin Rume ist es zu verdanken, dass er zwar die afghanischen
traditionellen Musikinstrumente wie „Rubab“ (Instrument mit zwei
Korpi, als eine Vorstufe der Sitar) , Tschang (Harfe), Dohl
(Trommel) und Nai (Flöte) in seinem Lebenswerk „Schams Tabrizi“
verewigte, doch konnte er sie nicht ganz vor der Vernichtung durch
die intoleranten und totalitären Kräfte bewahren.
Es
war der König von Afghanistan, Amir Scher Ali Khan, (1868-1879),
der einige Musiker und Künstler aus Indien einlud, um die
klassische afghanische Musik wiederzubeleben. Sie wohnten zunächst
in „Kotsch e Sangkascha“ (Steinbrecher Straße) und siedelten dann
in die Khoja-Khordak-Gasse, im - auch von Mawlawi Rume gepriesenen -
Künstlerviertel „Kharabad“. Kharabad brachte eine Reihe von Sängern
und Sängerinnen, Musikern und Tänzerinnen hervor, die wie
leuchtenden Sterne in den dunklen Himmel des Landes strahlten.
Einer
dieser leuchtenden Stern war Ustad Qasem, vom Volke und von
Liebhabern der Musik Qasem Djo – Slangsbegriff für „Djan“
(Liebling, Leib, Wesen) genannt wurde. Die hervorragende Leistung
von Ustad Qasem Djo war, dass er die Volksmusik und -lieder des
Landes professionalisierte. Nachdem Ustad Qasem im Garten Eden –
da soll sein Platz sein -ruht, hat ein anderer Stern angefangen zu
leuchten. Es war Ustad Sarahang, der in Afghanistan, in Pakistan und
im indischen Subkontinent als „Wesen vom Kabuler Kharabad“
bekannt und berühmt wurde, einem Viertel, von dem nach dem 23jährigen
Kriege nur außer den traurigen Ruinen nichts übrig geblieben ist.
Charakteristisch
für diese Musiker ist, dass sie bis auf die Taliban von allen
ideologischen und politischen Strömungen anerkannt waren. Ustad
Sarahang spielte wie Ustad Qasem Djo bei Arm und Reich während der
Familienfeste. Sie scheuten sich nicht, selbst in entlegene Dörfer
zu gehen und dort zu spielen.
Während
der Unabhängigkeitstagen auf der großen Wiese und dem Messegelände
des Landes spielten die Musiker vom Kabuler Kharabad in den
Festpavillons. Die beiden Meister spielten oft im königlichen
Pavillon von Zaher Baba.
Ustad
Sarahang trug zur Wiederbelebung der afghanischen klassischen Musik
und Erweiterung der indischen Musikrichtung „Pakhawaie“ bei und
beherrschte meisterhaft die in Pakistan und Indien und in Teilen
Afghanistans beliebte „Qawali“, eine Chormusikrichtung mit
abwechselnden Stimmen. Der Ustad gilt als Lehrer namhafter
afghanischer Musiker und Sänger. Sein Verdienst ist die Fortsetzung
der von Ustad Qasem begonnenen Professionalisierung der afghanischen
Volkslieder.
Doch
Demut zeichnete den Meisters der Meister aus und so vergaß er
nicht, jedes Jahr nach Indien zu fahren, um bei den
Musikveranstaltungen teilzunehmen, die aus Anlass des Geburtstages
des“ Lichts von Punjab“ Ustad Aschoq Ali Khan von seinen aus
allen Ländern stammenden Schülern organisiert wurden, und seinen
Lehrer musikalisch zu ehren.
Afghanistan
hat am 16. Jawaza 1361 (6.6.1982) Ustad Mohammad Hossein Sarahang,
einen seiner genialsten Interpreten der klassischen Musik und
Folklore verloren.
(1) In Urdu, Farsi und Hindi wird Dehli (Stadt
des Herzens) so geschrieben; „Delhi“ ist die europäische
Schreibweise. Sein
Vorname Chossrau nach dem Sassaniden Legendenkönig Chosrau der I. oder
Anuschirwan (um 528-579), genannt)
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