|
Am 8. Juni diesen Jahres jährt sich zum 10.
Mal der Todestag eines der bedeutendsten Schriftstellers,
Journalisten und Diplomaten in Afghanistan. Sein Geburtstag ist
leicht zu merken. Er ist genauso alt wie die afghanische Unabhängigkeitserklärung
durch Amanullah Khan im Jahre 1919. Nach seinem Lebenslauf nach der
UNO wurde Abdul Rahman Pazhwak in der Stadt Ghazni am 7. März 1919
geboren. Laut afghanischen
Quellen soll sein Geburtsjahr 1917 und sein Geburtsort der Distrikt
Sorchrud in der Provinz Nangarhar gewesen sein. Pazhwak erhielt seine
Grundausbildung in Afghanistan. Sein Abitur machte er in dem
renommierten, nach dem Vater von König Amanullah benannten
Gymnasium des Landes.
Pazhwak begann seine Arbeit im Bereich des
Journalismus und war für die Öffentlichkeitsarbeit im Außenministerium
zuständig. Der Herausgeber und Chefredakteur der damaligen, überwiegend
in Pashtu erscheinenden Tageszeitung „Eslah“ (Islah) wurde dann
Intendant der ersten Nachrichtenagentur des Landes „Bakhter
Agency“, bevor er zum Generaldirektor für Information und Presse
des Landes ernannt wurde. Danach hatte er die Präsidentschaft der
„Paschtu-Tolana“ ( des Instituts zur Förderung der Sprache
Paschtu) inne. Die wichtigsten Stationen seines kulturellen und
diplomatischen Lebens sind:
Von 1946 bis 1951 diente er als
Botschaftsattaché für Kultur und Presse in London und Washington.
Von 1951 bis 1957 war er im Außenministerium für die
internationalen Angelegenheiten sowie für die Weltbund (UNO) zuständig.
Ab 1958 wurde
Ustad Pazhwak Leiter der ständigen Vertretung bei den Vereinten Nationen. Er
wirkte in verschiedenen Ausschüssen und Abteilungen der UNO mit. Er
fungierte bei der UNO als Vorsitzender verschiedener Kommissionen.
Von 1961 bis 1963 war er Vorsitzender der Menschenrechtskommission
der UNO. 1963 wurde er von UNO beauftragt, die Beziehung zwischen
der Regierung Vietnams und der buddhistischen Gemeinschaft zu prüfen.
Pazhwak vertrat Afghanistan auf mehreren
Konferenzen der blockfreien Staaten. Höhepunkt seiner Karriere war
im Jahre 1966 die Wahl zum Präsidenten der 21. Sitzung der
Generalvollversammlung der Vereinten Nationen. Er wurde 1967
abermals zum Vorsitzenden der außerordentlichen Generalversammlung
gewählt.
Pazhwak war Präsident und danach Ehrenmitglied
der Akademie der Literatur. Er war ebenfalls ein Mitglied der
Gesellschaft für historische Studien in Afghanistan.
Abdul Rahman Pazhwak (Pazhwak bedeutet Echo)
beschäftigte sich von Anfang an mit Literatur, Philosophie und
Sozialwissenschaften. Er ist einer der bedeutenden Übersetzer von
Gedichten des indischen Nobelpreisträgers Rabindranath Tagore
(1861–1941). Er übersetzte viele Abhandlungen und Gedichte
englischsprachiger Dichter und Denker. Selbst im hohen Alter übersetzte
er das Gedicht von William Pitt Root „Ungebrochene Diamant“ in
der Allegorie von Koh e Norr (http://www.original-diamonds.com/famous_kohinoor.php
) , „The
Unbroken Diamond” Nightletter to the Mujahideen.“ Das Gedicht
wurde in Form von Flugblättern an die Mudjahedin verteilt. Pazhwak wird allgemein als Vorbild der modernen Erzählkunst in Afghanistan
betrachtet.
Abdur Rahman Pazhwak schreibt in seinem Buch „Aryana“,
dass das kulturelle Erbe des Landes immer wieder zerstört und geplündert
werde, doch können die neuen Technologien gebraucht werden, um die
Reste zu bewahren.
Abdul Rahman Pazhwak forschte im Bezug der
sozio-kulturellen Strukturen und des Stammesrechtes sowie der
Lebensweisen der Afghanen, die im Westen eher unter dem Begriff „Paschtunwali“
subsumiert wird.
In seiner 1939 erschienenen Abhandlung im
persischsprachigen „Saalnama“
Nr. 8 („8. Jahrbuch“), erläuterte Ustad Pazhwak die "rechtlichen
und strafrechtlichen Praktiken und deren Wechselwirkung innerhalb
und außerhalb der afghanischen Stämme". In den entlegensten
Gegenden Afghanistans erforschte er die Direktiven der Stämme, die
er damals als „Afghanyat“ (Afghanentum) bezeichnete. Er hat im Jahre 1939
einige Begriffe des Stammesrechts in dem
genannten Jahrbuch beschrieben wie Badraga (Begleitschutz), Gattlaka
(heiratsfähig), Gond (Partei), Jarga bzw. Jirga
(Versammlung www.afghan-aid.de/loya-jirga.htm
, Nagona (Entschädigung)
usw. siehe www.afghan-aid.de/paschtunwali.htm
Obengenannte Begriffe wurden zunächst unter
„Afghanyat“ unterordnet und seit den 60er Jahren eher unter „Paschtunwali“
. Unter Paschtunwali sind diese international als paschtunischer
Ehrenkodex verstanden .
Pazhwak ist der Auffassung, dass „Paschtu“
nicht nur die Bezeichnung eines Kommunikationsmittels ist, sondern
ein Lebensinhalt und in manchen südlichen Provinzen wird Paschtu
als Synonym für den im Westen geläufigen Begriff „Paschtunwali“
verwendet.
Pazhwak starb am 18. Jawza 1374 (8. Juni 1995)
im Exil. Sein Erbe für Afghanistan sind viele Abhandlungen, Übersetzungen,
Bücher und nicht zuletzt eine Enkeltochter namens Parwin
Pazhwak, die zu
den bedeutendesten Dichterinnen der (Kinder)literatur der Gegenwart
zu zählen ist, und seinen Sohn Farhad Pazhwak, aus dessen Feder
einige literarische Werke stammen.
http://www.un.org/ga/55/president/bio21.htm
Pazhwak, Abdul
Rahman: "Die rechtlichen
und strafrechtlichen Praktiken und deren Wechselwirkung innerhalb
und außerhalb der afghanischen Stämme": in Salnama Kabul,
1939 in Farsi (pdf.-Datei)
Dr. Mir H. Sadri
|