Der
Mullah und der Mond
Eines
Nachts ging der Mullah zum Brunnen. Denn er war durstig und wollte Wasser
trinken. Da sah er, wie sich der Mond im Brunnenwasser widerspiegelte. Er wollte
unbedingt den Mond retten, also warf er das Seil in den Brunnen hinein und zog.
Der Wassereimer verklemmte sich dabei an einem Ecke eines großen Stein des
Brunnenrandes. Also zog der Mullah kräftiger. Dabei riß das Seil und der
Mullah fiel rückwärts zu Boden. Obwohl ihm nun alles Weh tat, sagte er fröhlich:
"Es macht doch nichts, daß ich meinen Rücken verletzt habe, Hauptsache,
der Mond ist wieder an seinem richtigen Platz."
Der
Mullah als Prediger
Das
Publikum bat den Mullah um eine Predigt, um ihn bloßzustellen. Darauf fragte
der Mullah vom Altar aus sein Publikum: "Habt ihr verstanden?". Die
erstaunten Zuhörer antworteten mit "Nein". Darauf sagte der Mullah:
"Leuten, die nicht verstehen wollen, brauche ich auch nicht zu
predigen."
Am
darauf folgenden Freitag einigte sich das Publikum auf ein "Ja". Kaum
stieg der Mullah auf Altar, fragte wieder seine Zuschauer, ob diese verstanden
haben. Die Öffentlichkeit sagte: "Ja, Mullah, wir haben es
verstanden." Darauf sagte der Mullah, Leuten, die verstanden haben, brauche
ich nicht zu erklären."
Am nächsten
Freitag einigten sich die Teilnehmer sowohl "Ja" als auch
"Nein" als Antwort. "Der Teil, der verstanden hat, möge es dem
anderen Teil, der nicht verstanden hat, erklären", sagte der Mullah und
verließ den Altar.
Der
Mullah und das Dampfbad
Zehn
Freunde vom Mullah wollten ihn auf den Arm nehmen. Sie luden ihn ins Dampfbad
ein und nahmen jeder ein Ei mit. Nach einer Weile begann die Runde, "Hähne"
nachzuahmen. Jeder tat so, als ob sie ein Ei legen würde, nur der Mullah nicht.
Er ahmte
nur einen Hahn nach. Die Spielrunde erklärte, daß der Mullah das Spiel
verloren habe. Daraufhin sagte er: "Unter so vielen Hühnchen muß auch ein
Hahn sein."
Der
Mullah und der Esel
Der
Mullah kaufte zehn Esel. Auf einem ritt er heim, und die anderen neun liefen
voraus. Unterwegs zählte er die Esel, vergaß aber den, auf dem er ritt. Verärgert
kehrte er zum Händler auf den Viehmarkt zurück: "Du hast mich betrogen,
es sind nur neun Esel." Darauf sagte der Viehhändler: "Ich sehe sogar
elf Esel." Der Mullah verstand es und entschuldigte sich bei dem Händler.
Der
Mullah und das Lügen
Ein Mann
kam zum Mullah und bat ihn: "Kann ich deinen Esel haben?"
"Sonst
sehr gerne, aber heute ist mein Esel nicht da" sagte der Mullah. In diesem
Augenblick schreit der Esel: "Iaaah". "Warum lügst du, Mullah?
Dein Esel ist doch zu Hause!"
"Glaubst
du mir oder dem Esel?", fragte der Mullah.
Der
Mullah und die Eier
Der
Mullah kaufte Eier für drei Afs pro Stück, färbte sie und verkaute sie
anschließend für 2 Afs weiter. Da kam ein Bekannter zu ihm und fragte, warum
er wohl so teuer kaufe und billiger verkaufe. Das ist unsinnig und gegen die
Regel des Handels!
Der
Mullah begründete: "Die Eier verkaufen sich wie warme Semmeln (Brötchen)."
Der
Mullah und die Werbung
Der
Mullah hatte eine schwache und magere Kuh. Eines Tages sagte seine Frau:
"Mullah, bring die Kuh auf den Markt und verkaufe sie!"
Er brachte sie of zum Viehmarkt, um sie zu verkaufen. Keiner kaufte sie,
bis sich schließlich ein Viehhändler ihrer annahm. Er pries die Kuh über alle
Maßen, besonders hob er hervor, daß sie extrem viel Milch gäbe. Da verlangte
der Mullah seine Kuh zurück und sagte: "Wenn die Kuh so viel Milch gibt,
dann verkaufe ich sie nicht." Er nahm die Kuh und ging nach Hause zu seiner
Frau.
Der
Mullah und die Schwangerschaft
Der
Mullah bedankte sich bei der Nachbarin dafür, daß sie ihm einen Kochtopf
geliehen hatte. An einem anderen Tag sagte die Nachbarin: "Mullah, du hast
einen kleinen Topf in meinem Topf vergessen." Mit einem ernsten Ton sprach
der Mullah: "Der Topf war schwanger und hat bei mir ein Baby
bekommen."
Als sich
der Mullah wieder einmal einen Topf bei der Nachbarin leihen wollte, gab sie ihm
den größten, den sie im Hause hatte. Mehrere Tage vergingen und der Mullah
brachte den Topf nicht zurück. Schließlich fragte die Nachbarin: "Wo ist
mein Topf?" Der Mullah sprach ihr sein Beileid aus: "Er ist leider bei
der Geburt gestorben." So ein Unsinn, erwiderte die Nachbarin, "Wie
kann ein Topf denn sterben?" "Töpfe, die Junge bekommen, können auch
sterben", antwortete der Mullah.
Der
Mullah und die Einladung
Nach
einer verlorenen Wette mußte der Mullah als Strafe die ganze Nacht im kalten
Wasser des Baches verbringen. Seine Freunde haben darauf bestanden, daß der
Mullah die Strafe wiederholen sollte, da an der Außenwand eine Lampe die ganze
Nacht brannte, so daß er von den Strahlen dieser Lampe sich wärmen konnte.
Die
Runde hat beschlossen, daß der Mullah alle zum Essen einlädt. Am nächsten
Freitag lud er alle zum Essen ein. Die Gäste warteten auf das gute Essen, zumal
aus der Küche sie noch die Klange des Geschirrs hörten. Ihre Magen knurrten
und der Tafel war immer noch leer. Schließlich sind sie ungeduldig und fragten
den Mullah: "Wo bleibt das Essen." Der Mullah sagte ihnen, daß das
Essen noch nicht gar sei. Sie wollten unbedingt wissen, was für ein Essen ist
es, daß so viel Zeit brauche. Der Mullah nahm die Gäste mit und brachte sie in
seinem Hof. Dort stand auf einem Gerüst einen Topf mit Festessen. Darunter
brannte eine Kerze. Die Gäste haben gesagt: "So ist es unmöglich, daß
das Essen gar wird." "Wieso
ist es unmöglich?" fragte er. Die Kerze ist noch nicht so weit, wie die
Lampe an jener Nacht.
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