auf Dari

Khoschal Khan Khattak (1613-1689)

 afghanischer Philosoph, Pädagoge, Politiker und Poet- zu seinem 390. Geburtstag

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Einer der Vorkämpfer für Freiheit und Unabhängigkeit Afghanistans

Der berühmte afghanische Dichter der Sprache Paschto und Dari, Khoschal Khan Khattak, erblickte im Sonnenjahr 992 (1613 n. Chr.), was dem Jahr 1021 des islamischen Mondkalenders entspricht, nahe Peshawar das Licht der Welt. Das Stammesgebiet der Khattak erstreckt sich von Kohat über Peschawar bis nach Mardan.

Sein Vater war ein angesehener Fürst der Moghol-Dynastie, so dass Khoschal Khan von Kindesbeinen an mit Dari, der Sprache des Hofs und mit Paschto, der Sprache des Stammes vertraut war. Er begleitete seinen Vater Schabaz Khan nach Dehli, um mit dem Moghol-Kaiser Schah e Jahan eine Vereinbarung über die Zukunft der paschtunischen Unabhängigkeit und Selbstverwaltung zu treffen. Des Kaisers Nachfolger aber ließ Schahbaz Khan in Dehli in seiner Festung verhaften, erlaubte aber dem jungen Dichter Khoschal nach Peshawar zurückzukehren.

In Peshawar angekommen nahm er Kontakte mit seinen Zeitgenossen wie dem „Vater der Nation und der Paschtosprache“ Rahman Baba und Abdul Rahman Mommand auf, um einen Widerstandkampf gegen die Moghulherrschaft zu organisieren. Sie riefen in ihren Versen die paschtunischen Stämme auf, die Stammesrivalitäten zu beenden, sich gegen die Moghul-Dynastie zu einigen und zu kämpfen, um die Würde der Stämme wieder zu gewinnen.

Diese Bemühungen konnten zwar die politische Bedeutung der paschtunischen Stämme, insbesondere die der Khattak-Dynastie erhöhen, zumal sie einen Teil der Seidenstraße von Kabul nach Lahore beherrschten, jedoch kam es nicht zu einer Staatsgründung, da die Yussufzai und Khattak sich um die totale Kontrolle dieser Straße stritten. Seine Trübsinnigkeit darüber und seine zaghafte Hoffung über eine Einigung der Paschtunischen Stämme drückte Khoschal Khan in dem folgenden doppeldeutigen Vers in der Sprache Paschto aus:

„An dem Tag, an dem sich die Paschtunen einigen, wird der Greis im Grabe (seine) einstige Khoschal (Khoschal = Frohsinn, Lebensmut und -freude, Wonne) wiedererlangen.“

Khoschal Khan Khattak hat Gedichte in Dari bzw. Farsi und Paschto verfasst. Jedoch ist der Hauptanteil seiner literarischen Werke in Paschto verfasst, die die Menschen eher mündlich weitergaben. Die Themen seiner Dichtung variieren: seine Gedichte behandeln verschiedene Motive und Leitgedanken ebenso wie die alltäglichen Sorgen des menschlichen Daseins. Seine Dichtung ist zum einen von der humanistischen Tradition der Renaissance des Orients und insbesondere von der klassischen Periode des 8. Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung geprägt und zum anderen legt sie Zeugnis darüber ab, dass der Dichter sich nicht nur gesellschaftspolitisch und gesellschaftskritisch beschäftigte, sondern auch um politische Autorität bemüht war. Khoschal Khan ist Meister der „Landai“, jener paschtunischen Liebesgedichte, die mit dem Minnesang vergleichbar sind, in denen Heldenmut, Standhaftigkeit, Widerstand und Tapferkeit besungen werden. „Minna“ bedeutet auf Paschto Liebe.

Khoschal Khan Khattak war für die Bildung und schulische Erziehung der Frauen, die bei dem Verfassen und Vortrag der „Landai“ einst die Hauptrolle spielten. Die Erziehungs- und Bildungstheorie, die er entwickelte, beinhaltet die Formung der physischen, intellektuellen, geistigen und moralischen Fähigkeiten von Kindern und jungen Menschen sowie die stetige Weiterentwicklung dieser Fähigkeiten im Erwachsenenalter. Der große afghanische Pädagoge maß der Charakterbildung eine besondere Bedeutung bei. Seine Anschauungen im Hinblick auf die Charaktereigenschaften empfahl er den Lehrern, die bei ihrer intentionalen Intervention und Führung den jungen Menschen besondere Aufmerksamkeit widmen sollten. Ebenso wichtig war für ihn die individuelle Erziehung, die nicht als Gegensatz zu der öffentlichen Erziehung betrachtet werden sollte. Ziele beider Erziehungsstätte sei es, den jungen Menschen zu Verantwortungsübernahme und zu einer stabilen Persönlichkeit zu erziehen. Dabei sind Natur und Umwelt da, die die Erziehung der Kinder unterstützen.

Seine Sprache ist kraftvoll, klar und kritisch. Er brachte die positiven und negativen Seiten seines Stammes unverhüllt zum Ausdruck. Insgesamt verfasste er über 40 000 Verse, die für das schriftliche Etablieren der Sprache Paschto unermesslich bedeutungsvoll sind. Die indo-iranische Sprache Paschto, die eine große Affinität und Ähnlichkeit mit der Sprache Awesta aufweist, wurde zum größten Teil nur mündlich tradiert. Dies gilt natürlich erst recht für die Überlieferungen literarischer Werke von Mund zu Mund. Schriftlich wurde die Literatur in dem um einige Buchstaben erweiterten arabischen Alphabet (g, p, j, tsch und eine Menge von aus einem einzigen Buchstaben bestehenden Diphthonge, Doppellauten, die für Paschto charakteristisch sind) niedergeschrieben. Somit sind die Anfänge der schriftlichen Fixierung der Paschtu-Literatur weitgehend umstritten und dunkel. Auch „Potta Khazana“ (verborgener Schatz) soll sich in privater Besitz befinden.

Dennoch können die Leistungen der oben genannten drei großen Literaten des 17. Jahrhunderts für die schriftliche Festsetzung und Weiterentwicklung der Sprache Paschto nicht genug gewürdigt werden. In seinen Werken sind der auf dem Zoroastrismus basierende Dualismus, die Widersprüchlichkeiten des menschlichen Lebens, der Kampf und Überwindung dieser Phänomene enthalten. Wohlergehen und Enttäuschung, Heldenmut und Demut, Ehre und Demütigung sind aus sozialpolitischen, philosophischen und psychologischen Sicht angeschnitten.

Khoschal Khan Khattak hat Abhandlungen auch in den indischen Sprachen geschrieben und er beherrschte das Arabische. Viele Texte u.a. aus Dari übertrug er auf Paschto. Seine Übersetzungen sind sehr flüssig, und dies zeigt, dass er diese zwei Sprachen hervorragend beherrschte. Zu den literarischen Schätzen des eigentlichen Vorkämpfers für die nationale Identität und die Gründung des Staates Afghanistan zählen „Fraghnama“ (nama =Brief (Buch über den Edelmut)) und „Swadnama“ (Buch über Bildung).

In seinem Buch „Dastarnama“ (Buch über Turban („Krone“) ) entwickelte er seine gesellschaftspolitische Ordnung für die nationale Einheit und zur Gründung eines unabhängigen Staates Afghanistan. Obwohl er sein Ziel zu Lebzeiten nicht erreichte, haben es die Nachfolger doch im 18. Jahrhundert geschafft, die Stämme vorübergehend zu einen und einen Staat zu gründen. So hat Mir Wais Baba im Jahre 1709 in Kandahar einen afghanischen Staat gegründet, der jedoch nicht von Dauer war. Schließlich ist es Ahmad Schah Durrani, von derselben Zunft, nämlich ein Dichter der Sprache Paschto und Dari gelungen, im Jahre 1747 einen Staat namens „Afghanistan“, zu gründen, der auf die Sassaniden-Könige („apagan“ (Löwe)) im ersten Jahrhundert nach Christus zurückgeht.

Der Politiker Khoschal Khan ist vom Stamm der Afridi gut aufgenommen worden, als seine Bemühungen erfolglos blieben. Hier lebte er bis zu seinem Tode im Jahre 1689.

Die Inschrift auf seinem Grab lautet: „Ich nahm das Schwert, um die Ehre der Afghanen zu verteidigen. Ich bin Khoschal Khattak, der ehrenhafte Mann der Geschichte“.

Khoschal Khan Khattak gehört zu den bedeutendsten Dichtern des afghanischen Volkes und fungiert generations- und grenzübergreifend und über alle sprachlichen, ethnischen und sozialen Schranken hinaus dies- und jenseits der afghanisch-pakistanischen Grenze als Vorbild der Dichtung.

 frei übersetzt von Dr. Mir Hafizuddin Sadri