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Arrossi
Bazi (Hochzeitsspiel)
Die
Hochzeitsspiele entsprechen in ihrer Bedeutung für die Kinder in etwa der
deutschen bzw. europäischen Geburtstagsfeier. Geburtstagsfeiern sind in
Afghanistan kaum üblich, lediglich bei den Kindern der Stadtbevölkerung, vor
allem in europäisierten Familien wird der Geburtstag gefeiert, während der überwiegende
Teil der afghanischen Bevölkerung diesen Tag nicht einmal kennt.
Da
die Hochzeit im Leben einer Frau als Höhepunkt betrachtet wird, wird sie auch
im Spiel der Kinder insbesondere der Mädchen widerspiegelt. Hochzeit ist vor allem
eine Angelegenheit der Frauen für Frauen.
Hochzeitfest ist ein typisches Frauenfest und wird sieben Mal gefeiert.
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Pesch-Khori
(wörtlich "Essen vorher" (eine Art Polterabend) mit Musizieren von
Verwandten
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Khesh-Khori
(wörtlich "Essen mit Verwandten") Feierlichkeit mit Verwandten
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Olos Khori ( wörtlich
"Essen mit Dorfbewohnern")
Feierlichkeit mit Dorfbewohnern mit einer einfachen Mahlzeit und
Dorfmusikanten.
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Neka (religiöse Trauung am
Nachmittag)
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Hochzeitsfeierlichkeit
mit Spiegelzeremonie und Faust-Öffnung der Frau, Henna und Hochzeitslied,
Musik mit professionellen Musikanten, Gesang und Tanz
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Pass-Khori
("Essen danach") Feier nach der Hochzeitsnacht mit Verwandtenmusik
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Thacht Jami"
("Hochzeitsthron wird aufgeräumt") Verwandten musizieren und
"Paie Wazi"
("Fuß frei") für
Einladungen der Sippschaft. Nach einiger Zeit wird das Brautpaar zunächst von
Verwandten des Bräutigams eingeladen.
Das
Hochzeitsspiel wird in den Städten immer seltener, in ländlichen Gegenden oft
gefeiert, allerdings in friedlichen Zeiten. Musik, Tanz und Gesang waren
integrale Bestandteile der Hochzeit in allen sieben Tagen und Nächten. In den Dörfern wird die Braut mit
der Sänfte oder mit dem Pferd von Elternhaus in ihr künftiges Haus transportiert. Dabei tanzen
und singen die "Delegierten" der Hochzeitsgemeinde unterwegs. Schalmai
und Trommel sind die typischen Instrumente in den Dörfern des Landes. In
den Städten spielen die Musikanten, die auch in Radio und TV Afghanistan auftraten.

Vor allem die Puppenhochzeit wird groß
gefeiert. Jede Puppenmutter verheiratet jede ihrer Puppen einmal. Jedes Jahr
haben die Kinder mehrmals die Möglichkeit, an Puppenhochzeiten der Freundinnen
teilzunehmen. Die Erwachsenen machen mit, vor allem bei der Vorbereitung der
Hochzeiten. Sie kochen, basteln, nähen Kleider oder machen Instrumentalmusik, während
die Kinder singen oder auf kleineren Instrumenten mitspielen. Sonst sind die
Erwachsenen nicht aktiv beteiligt, sondern sie schauen den Kindern zu oder
fungieren als ein Teil der Hochzeitsgäste, wenn das Puppenpaar sich der
Hochzeitszeremonie unterzieht. Ansonsten erlauben sie den Kindern, ihre Spiele
selbständig zu spielen. Außerdem sind auch größere Mädchen dabei, die
darauf achten, daß die Regeln der Hochzeitszeremonie eingehalten werden.
Die
Kinder übernehmen hier die Rollen des Brautpaares und der Hochzeitsgäste. Der
Ablauf des Spieles hängt von Alter und Erfahrung der Kinder ab. Sie spielen
hauptsächlich das, was sie unmittelbar sehen, und was das Paar und die
Hochzeitsgemeinde tun.
Bei
Familien, in denen die Hochzeitszeremonie nach Geschlechtern getrennt vollzogen
wird, dürfen die Männer der Zeremonie nicht zusehen, es sei denn, sie sind
Verwandte und enge Vertraute.
Von
Gegend zu Gegend unterschiedlich (in den Städten, wo die Hochzeiten in
"Hotels" oder Restaurants gefeiert werden, fast unüblich) zeigen die
Kinder die JEES der Braut. Die JEES sind die Hochzeitsgeschenke der Braut
und bestehen aus Kleidung, Schmuck und Make-up.
Auf
echten Hochzeiten wird diese Funktion von einer lebhaften Frau übernommen, die
die Geschenke in die Höhe hebt und wie bei einer "Modenschau" den Gästen
zeigt. Hierbei nennt sie die Namen der Schenker.
Die
Kinder spielen teilweise auch die verborgenen Strukturen des afghanischen
Hochzeitsbrauches nach, die ihnen entweder durch Beobachtung oder vom Hören
Sagen bekannt sind.
Khastgari
(Brautwerbung bzw. Heiratsantrag) und Schirni Dadan (Verlobung)
Die
Mutter des Bräutigams kommt zur Mutter der Braut und bittet um die Hand der
Tochter. Nach wiederholten Besuchen wird schließlich Tee und Noqol oder Konfekt
gereicht als
Zeichen der Sympathie und Hoffnung. Wird nur Tee bei wiederholten Besuchen
serviert, bedeutet das eine
Absage.
Namsadi
(Zeit zwischen Verlobung und Hochzeit)
Nach
der Zustimmung wird eine Verlobungszeit vereinbart, während der der Bräutigam
ins Haus der Braut kommen darf. Er wird in der Familie der Braut bzw. von der
Braut bewirt. Nach dem Ablauf der Namsadi-Zeit wird sofort geheiratet.
Khabari
("Nachricht") Einladung zur Hochzeit
Junge
Frauen besuchen die Verwandten und Bekannten in den Dörfern und geben die
Hochzeit bekannt und laden sie dazu ein.
Harsossi
(Hochzeitsfeierlichkeit)
Asta
Bero (Hochzeitsgesang und Hochzeitsgang)
"Asta
Bero bedeutet wörtlich "langsam, vorsichtig, mild, ruhig und
bescheiden gehen". Mit dem Lied "Asta Bero" tritt das Paar in die
Hochzeitsgemeinschaft ein. Das Lied wird von einer Musikgruppe oder aber
von musikbegabten Frauen mit Dahera (Tamurine), Handtrommel mit Schellen gesungen. In den Dörfern ist es üblich, dass das Brautpaar mit Bonbons,
Geldscheinen bzw. -münzen beworfen werden.
Aaina
Mosaf und Neka
Die
Braut bekommt einen Schal umgelegt. Der Bräutigam erwartet die Braut auf seinem
"Tacht" ,
Thron, sitzend (An diesem Abend wird der Bräutigam "Schah" (König)
genannt.). Die Kinder bewerfen das spielende Paar nun mit Süßigkeiten
(manchmal nur symbolisch) oder mit Popcorn, das vom Aussehen her den
afghanischen NOQOL (Bonbons) ähnelt. Nach dieser Zeremonie ist das Paar
"verheiratet". Die Gäste singen und tanzen, essen und trinken.
Bei
echten Hochzeiten dürfen nur die jüngeren Kinder diese Zeremonie unter dem
Schal beobachten, die Erwachsenen und die älteren Kinder auf keinen Fall. Auch
bei den jüngeren Kindern wird es nicht gern gesehen, aber von den Organisatoren
(Frauen) geduldet.
Die
Kinder diesen Alters haben einen größeren Erfahrungsschatz und fügen daher
ihrem Spiel weitere Einzelheiten hinzu. (Dies wird sich auch in den weiteren
Spielbeschreibungen zu diesem Thema zeigen. Ich werde deshalb nur die Details
beschreiben, die in der jeweiligen Altersstufe neu hinzukommen.)
Nachdem
das Paar einige Zeilen aus dem Koran gelesen hat (Dies ist obligatorisch, und
auch die Analphabeten können bestimmte Koranverse oder auch das ganze Buch
"lesen".), sieht es sich im Spiegel. Danach trinken die Brautleute
Saft (Zuckersaft + Früchte) aus einem Becher und essen "Malida", süße
und fette Brot- bzw. Mehlbrösel. Diese Zeremonie, und auch der Ringtausch,
findet unter dem Schal, verborgen vor den Hochzeitsgästen, statt.
Khiena
kardan (Henna)
Mit
dem alten Färbemittel Henna werden die Hände des Brautpaars bemalt. Besonders
kunstvoll werden die Hände der Braut und die der Freundinnen der Braut bemalt.
Vor
der "Aaina Mosaf" (die mitternächtlichen Spiegelzeremonie) wird vor
Sonnenuntergang die NEKA (die religiöse Trauung) durch den Dorfmullah
vollzogen. Bei getrennten Hochzeiten kommt der Vertreter der Braut und gibt das
"Ja-Wort". Hier ist die Braut nicht anwesend, ihr Jawort wird aber von
zwei Zeugen bestätigt. Bei gemeinsamen Hochzeiten gibt eine Frau das Jawort,
wobei die Braut anwesend ist. Vor
allem Jungen bekommen mit, was als MAHR der Frau von den Vertretern des
Brautpaares vereinbart wird. Die Frau wählt einen Vertreter, in der Regel einen
Onkel oder den Vater, der Bräutigam ernennt zwei "Minister", weil
er selbst ein "König" ist.
Das
Brautkleid ist während der NEKA-Zeremonie grün. Die Farbe des Brautkleids ist
am Abend überwiegend weiß.

Hier wird die Braut für die Neka-Zeremonie gestylt. weitere
Bilder in: http://www.eurasianet.org/departments/business/articles/eav091004.shtml
Vom
Tage der Hochzeit an darf der Bräutigam weiße Kleidung tragen, dies ist
zugleich auch ein Zeichen der Reife und des Erwachsenseins, sonst tragen die
ledigen jungen Männer farbige Kleidung. Am Morgen des Hochzeitstages, gleich in
der Frühe, bekommen die Eheleute von den Eltern der Braut ihre
"Morgengabe": Süßigkeiten, Schmuck, Kleidung, Haushaltsgeräte,
Tiere, aber auch die Lieblingsgegenstände der Braut.
Tahkt
Jami (Thron wird auf geräumt bzw. Ende der Hochzeitsfeierlichkeiten)
Dann beginnt die Phase von
(Paie Wazi ="Fuß frei" für
Einladungen bei der Sippschaft).
Arrossi
e Godi (Puppenhochzeit)
Die
Figuren dieses Spiels sind Puppen. Die Mädchen tun so, als ob die Puppen
lebendig wären. Dazu werden Dorfmädchen bzw. -kinder eingeladen. Sie spielen
auf Musikinstrumenten (Daehra = Handtrommeln, Tamburine), tanzen und singen. Es
werden Süßigkeiten verteilt.Mädchen
spielen in der Regel schon von früher Kindheit an, ca. ab dem 2. Lebensjahr mit
Puppen. Diese werden ihnen von Mutter, Großmutter, Tanten oder älteren
Geschwistern gebastelt. Auch hier werden möglichst sämtliche Rituale der
Hochzeit eingehalten.
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