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Nach einer Legende
konnte die Braut einer Heirat mit dem König "Salsal",
"Solsol" oder "Sarsal" nur dann zustimmen, wenn
er die beiden
Ungeheuer erledigte, die die Bevölkerung tyrannisierten und die Jungfrauen als Opfergabe verlangten. Ein Orakel besagte aber, wenn der
König "Salsal" es tun würde, werde er und seine Gemahlin
"Shahmama" nach der Hochzeit hart bestraft werden. Der König
missachtete das Orakel und befreite trotzdem die Einwohner. Nach der Hochzeit
wollten seine Untertanen dem frisch verheirateten Königspaar die Ehre erweisen. Da
fanden sie die beiden versteinert vor. Als Andenken für dieses gerechte Königspaar
meißelten sie die Statuen in Bamians Felsen.
Im März
2001 zeichnete eine Schülerin der Rabia Balchi Mädchenschule in
Peshawar (Pakistan) die Statuen und referierte über die Buddha Statuen in
Bamian.
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Seit etwa knapp zwei Jahrtausenden bis zu ihrer vollständigen
physikalischen Zerstörung stand stolz die Märchenkönigin
"Shahmama" in Form einer 35 m hohen Buddha-Statue. Ihr Gemahl,
der Legendenkönig "Salsal", blickte
erhaben von der Gebirgskette des Hindukusch in das fruchtbare Bamian-Tal, das als Kornkammer des Gebietes galt. Die
Höhe seiner Skulptur war gerade die Umkehrziffer seiner unverschleierten
Gemahlin. Diese Statue, 53 m hoch, galt als die größte stehende
Buddha-Statue der Welt. Zwischen den beiden befindet
sich eine 8 m hohe Statue, die das Kind des Königspaars darstellen
soll.
Vermutlich
hatten selbst die Taliban Skrupel , als sie die Statuen sprengten. Sollte sich die Vermutung der mit archäologischen Schätzen
in
Afghanistan beschäftigen französischen Experten erhärten,
dann kann in dieser Gegend eine 323
m große
liegende Buddha-Statue neben diesen stehenden Riesenfiguren verborgen sein. Die
Quersumme der Größe jeder dieser Skulpturen ergibt also den gleichen Wert. Die
Zahl
8, die die acht Tugendelemente des
Buddhismus symbolisiert, konnte jedoch die heilige Zahl Sieben der zoroastrischen Mythologie
(sieben Pfeile der Zarathustra`s Lehre) in diesem Kulturkreis nicht zurückdrängen.
siehe
auch: www.afghan-aid.de/Buddha/buddha.htm
Haft Sin (Sieben Sachen, die mit der Buchstabe Sin
= S beginnen)
gehören immer noch zu den Utensilien des Nauroz (Neujahrfest am 21.März)
, mit denen die Tafel bzw. der Kranz zu den Feierlichkeiten zum Frühlingsanfang
auch heute noch dekoriert werden und die Festspeise in der
Silvesternacht die ganze Nacht hindurch am offenen Feuer mit Tanz und
Gesang der Frauen vorbereitet wird. Diese Tradition kann dank der heiligen
Zahl Sieben (Sieben Haupttugenden und Hauptsünden des Islam und sieben
Kardinaltugenden und Todsünden des Christentums) immer noch fortgesetzt werden.
Das
Felskloster von Bamian beherbergte einst 3000 Mönchen
Buddha
Frau 35
m
zwei Buddha Kind je 8
m
Buddha Mann 53m

Die Entfernungen der beiden großen
Standbilder von einander und zu dem Skulptur des Kindes sind nicht zufällig
und beliebig gewählt worden sondern auch diese horizontalen Längenmaße
haben mit der heiligen Zahl 8 der buddhistischen Lehre zu tun. Die
Entfernung der beiden großen Statuen beträgt 800
m.
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Diese Statuen sind in einer Zeit entstanden, die als Blütezeit
der Toleranz, des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Gleichwertigkeit
aller Menschen galt. Es waren die zum Buddhismus konvertierten Kuschanen
und Kuschano-Sassaniden-Dynstien, die vom 1. Jh. vor Chr. bis zum 7.
Jh. nach Chr. regierten und die anderen Religionen und Konfessionen wie Brahmanismus und
Zoroastrismus in ihrem Staatsgebiet und an ihren Höfen tolerierten.
Diese Statuen und das Kloster, deren Bauzeit
fünf bis sechs Jahrhunderten andauerte, wurden wiederholt von den Herrschenden
seit Beginn des neuen
Jahrtausends angegriffen. Sultan Mahmud der Große von Ghazna ca. um 1000 nach
Christus soll den mit Gold und Diamanten geschmückten Kopf der
Skulpturen zerstört haben. Vor 100 Jahren zerstörte König Abdul Rahman Khan
(1880 bis 1901) die Geschlechtsteile und Beine der Figuren.
Doch die Destruktionskraft der Taliban hat die vergangenen Regierungen an
Intensität gegenüber der Figuren übertroffen. Sie sprengten das
historische Kulturwerk schließlich im März 2001 innerhalb
von zwei Tagen. Allerdings haben sie durch
ihre blindwütige Zerstörung der sinnbildlichen Kraft der Statuen
einen unsterblichen symbolischen Ausdruck verliehen und
diese zum
Weltkulturerbe zählenden Monumente afghanischen Kulturguts
regional, national und international berühmter und bekannter denn je
gemacht. Die Hohlräume, in denen die Statuen standen, spiegeln
selbst im leeren Zustand die edlen traditionellen Werte, die auf dem Boden des
heutigen Afghanistan entstanden sind wider. Die Quersumme ihrer Größen,
ob als Mann oder Frau, als Kind oder Großeltern bringen die
Gleichwertigkeit aller Menschen zum Ausdruck.
Ferner signalisieren die Statuen die Bedeutung der Familie in der afghanischen
Gesellschaft. Die Familie als der Kern der Sozialstruktur bot
und bietet immer noch jedem ihrer Mitglieder Schutz und
Geborgenheit. Sie ist auch die Institution, die die
erzieherischen, ökonomischen und emotionalen Bedürfnisse der
Familienmitglieder zu befriedigen weiß. Da Afghanistan nicht aus
einer einheitlichen Nation besteht, gibt es verschiedenen Formen der
Subordinationen, die zwar regional unterschiedlich sind, der aber von allen Völkern und Ethnien
die gleiche
Bedeutung beigemessen wird.
Die
Vorgehensweise der Taliban übertrifft an Grausamkeit, Demütigung,
Erniedrigung und Repressalien gegenüber den afghanischen Frauen
alle früheren Regierungen. Kleidungsstücke wie "Burkas"
(arabisch für Ganzkörperschleier),
"Tschadar" (dünnes farbiges, überwiegend weißes Tuch),
"Tschadari" (der überwiegend blaue Ganzkörperschleier in
der Sprache Dari ) und "Delaq" (traditioneller
Frauenanzug) hat das Taliban-Regime instrumentalisiert und für die
Stabilisierung ihrer politischen Gewaltherrschaft missbraucht.
Auch wenn es makaber erscheinen soll, war gerade dieses
Gewand in seinen verschiedenen Erscheinungsformen ein Mittel, welches die afghanischen Frauen vor
staatlichen Repressalien schützte. Dank dieser
Maske haben die Frauen Bilder und Videos über die Gräueltaten der
Taliban aufnehmen und der Weltöffentlichkeit präsentieren können.
Dank ihrer mutigen Dokumentationen kam eine noch breitere Front gegen die Taliban
zustande.
Zum zweiten Male in der Geschichte Afghanistans wurden die Kulturgüter des Landes
diesmal von den Taliban verwüstet, Bücher wurden verbrannt, Mädchenschulen
geschlossen, Frauen aus dem Berufsleben ausgeschlossen. Außerdem
wurden nicht nur Frauen und Männer öffentlich exekutiert und
hingerichtet, sondern auch Kunstgegenstände, Filme,
Fernsehen und Videos symbolisch aufgehängt.
In der Tat ist die Situation der Frauen zwar von enormen Einschränkungen gekennzeichnet, aber sie ist
nicht hoffnungs- und perspektivlos. Mit dem Fall des Taliban-Regimes bahnten sich
neue Voraussetzungen und Möglichkeiten für die
Verbesserung der Lage der Frauen an. Die Einschulung der Mädchen, die Reaktivierung der Mädchenschulen und die Wiedereingliederung der
Frauen in das Berufsleben sind erstaunliche Leistungen der neuen
Regierung.. Heute sind es 70% Frauen, die die 3,8 Mio. Kinder landesweit
unterrichten.
Es war die Stimme einer Frau, die per Radio Afghanistan
den Sturz des Taliban-Regimes verkündigte. "Shahmama" und
"Salsal" haben sich zum zweiten Mal für das Wohlergehen ihres
Volkes geopfert, so dass die Hintermänner, Sponsoren und Gönner
des Taliban-Regimes begannen, sich von ihm abzuwenden. Wie die einstige Versteinerung des gerechten Königspaars nach der
Befreiung ihres Volkes von den beiden Ungeheuern, die vor 2000 Jahren das
Volk tyrannisierten, machte die im Jahre 2001 stattgefundene Sprengung die
Weltöffentlichkeit auf die Gräueltaten in Afghanistan aufmerksam.
Somit schafften Shahmama und Salsal abermals die Voraussetzung einer großartigen und gerechten Allianz gegen
Barbarei und Fremdherrschaft, damit die afghanischen Frauen gleichwertig
und gleichberechtigt neben den Männern am Wiederaufbau Afghanistans
teilnehmen, auf dessen prosperierenden Täler Schahmama und Salsal
herunterblicken.
Die Bemühungen der afghanischen Frauen für
Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit können nur in einer
demokratischen Gesellschaft erfolgreich sein, in welchem Gewand, in
welcher Form und Farbe die Frauen und Männer auch in der Öffentlichkeit
erscheinen.
Hauptsache
die Werte und Wertigkeit von Mann und Frau sind wie die Quersummen der
Buddha-Statuen gleich, die trotz ihrer unterschiedlichen äußeren
Erscheinungsformen immer noch diese Idee von den hohen Bergen des Bamiantals
in die übrigen Täler des Hindukusch ausstrahlen.
Rückblick
Das äußere Erscheinungsbild der Frauen ruft bei
den Menschen in entwickelten Industriestaaten aber auch in Entwicklungsländern
unangenehm erscheinenden Konnotationen hervor. Sie verknüpfen
lediglich diese assoziierten Begleiterscheinungen mit der tatsächlichen
Situation der Frauen in Afghanistan. Obwohl die Situation der Frauen seit
Jahrhunderten nicht als rosig bezeichnet wird, sind die Bemühungen der
Frauen in diesem Land für eine menschenwürdige Lebensführung und die Gleichberechtigung und -behandlung
in der Vergangenheit, der jüngsten
Geschichte sowie in der Gegenwart unermüdlich.
Zu den mutigen Frauen auf dem
Boden des heutigen Afghanistans gehörten vor allem die Dichterinnen und Künstlerinnen
der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit. In der Antike (Ariana war der Name des Landes ) verfassten u.a. Arezu, die Frau von
Yama
Paschta und Azada, Azram, Tamima, die Tochter des Königs von
Samangan, Rudaba e Kabuli, Manega u. v. a. Gedichte
und Lieder, von deren Lyrik
einige Überlieferungen noch erhalten geblieben sind. Charakteristisch
war für diese Zeit, dass Dichtung mit Gesang, Tanz und Musik verbunden
war.
Im Mittelalter wurde das Gebiet des
heutigen Afghanistans Khorassan genannt. Unter Ghoriden,
Samaniden, Safawiden, Temoriden und Moghols entwickelte sich die Dichtung der Sprache
Dari (eine der beiden Amtssprachen des Landes) zu ihrer Höchstform. Dazu steuerten
die Leistungen der Dichterinnen unter anderem Aafaq Jalaler Begi Herawi in
Herat, Rabia Balchi in Balch Arghawan, Parwarin Khaton und
Pari Badachtschi
bei. Einige von ihnen spielten auch Musikinstrumente wie Harfe und
Rubab. Von ihrer Dichtkunst sind einige Fragmente und Textsegmente vorhanden, die
in der Sekundärliteratur zu finden sind. Deutlich mehr Texte existieren
von den Versen von Rabia Balchi aus dem 9. Jh., deren Dichtkunst von ihrem
Zeitgenosse und Vater der Dari-Dichtung Rudaki gepriesen wurde.
Vorneuzeitliche und neuzeitliche Dichterinnen waren
beispielsweise die in Herat geborene Mehri im 15. Jd. sowie Haiat e
Herawi, und Nur Jahan im 16. Jahrhundert, Salima Begom im 17. Jd.,
Monira im 18. Jh. sowie Aschia e Durrani und
Malalai im 19. Jahrhundert. Das Divan der in Kabul geborenen Aschia Durrani
wurde nach ihrem Tod im Jahre 1856 in handschriftlicher Form zur Regierungszeit
von König Amir Abdul Rahman Khan (1880-1901) herausgegeben.
Während des Zweiten
Afghanisch-Britischen Krieges in Kandahar im Jahre 1880 hisste Malalei einen
Teil ihres Kopftuches (Tschadar) als Flagge. Diese trug sie den
afghanischen Kämpfer als Fahnenträger in die Maiwand-Schlacht
voran. Gleichzeitig ermunterte sie die Männer durch ihre in
Paschto verfassten pathetischen Minnelieder. Aufgrund
ihrer Kühnheit ist sie als eine der couragiertesten Frauen in die
afghanische Geschichte eingegangen. Ein Mädchengymnasium wurde nach
dieser Heldin benannt.
In
den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts
konnten die afghanischen Mädchen zum ersten Mal in Mädchenschulen
eingeschult werden und die weiblichen Heranwachsenden wurden in Einrichtungen der
Erwachsenenbildung aufgenommen. Nach der Proklamation der Unabhängigkeit
Afghanistans nach dem Dritten Afghanischen-Britischen Krieg führte König
Amanullah (1919-1929) seine ehrgeizigen radikal-demokratischen
Reformen durch. Bei den Modernisierungs- und Demokratisierungsmaßnahmen
half ihm sein aus türkischem Exil zurückgekehrte
Schwiegervater Mahmod Tarzi, einer der bedeutenden afghanischen
Intellektuellen. Die Errungenschaften dieser Zeit waren die auf Trennung
von Religion und Staat basierende demokratische Verfassung, das
Aufheben des Schleierzwanges, die Bildung demokratischer Strukturen,
Abschaffung der Sklaverei, Gleichberechtigung aller Völker
Afghanistans, Förderung der afghanischen Industrie und nicht zuletzt
die Gleichstellung von Mann und Frau. Diesen Reformen standen Konservative
kritisch und ablehnend gegenüber.
Im Bildungswesen
schien sich einen Paradigmenwechsel anzubahnen. Innerhalb von drei
Jahren zwischen 1924-1927 wurden Hunderte von Schulen, Gymnasien und
Berufsschulen gegründet. In Kabul wurde im Jahre 1924 neben der deutsch-afghanischen Amani-Oberrealschule
für Jungen, in deren Oberstufe deutsche Lehrkräfte sämtliche
naturwissenschaftliche Fächern in der deutschen Sprache
unterrichteten, und eine
Aman-Oberrealschule (heutige Malalei) für Mädchen gegründet, in der die afghanischen
Schülerinnen die Möglichkeit hatten, deutsch zu lernen. Ferner
wurden Fachschulen u.a. für Hauswirtschaft und für
Hebammen gegründet.
Die afghanische Königin war die erste
Frau, die großen Wert auf Bildung und Ausbildung der Frauen
legte. Königin Suraja war auch die erste mutige afghanische
Frau, die öffentlich ohne Schleier auftrat. Ihre Offenheit wurde von
den Fundamentalisten als Vorwand benutzt, um gegen den König einen
Aufstand anzuzetteln. Um bewaffnete Auseinandersetzungen zu
vermeiden, reiste die Königsfamilie nach Italien.
 
Habibullah Kalakani
- als Batsche Saqa bekannt - übernahm im Jahre 1929 für neun Monate die Macht. In dieser
Zeit ließ er alle Bücher verbrennen, die Schulen schließen und den
Schleierzwang wieder einführen. Doch auch diese Zäsur konnte der
rapiden bildungspolitischen Entwicklung der Frauen nicht Einhalt gebieten.
Dabei spielten allerdings die afghanischen Frauen eine bedeutende Rolle,
die in der Regierungszeit des modernen und demokratisch gesinnten Königs
im Ausland studierten. Denn König Amanullah schickte eine Vielzahl
von Frauen und Abiturientinnen ins Ausland, insbesondere in die Türkei,
damit sie sich dort weiter qualifizierten. Nach ihrem Studium
arbeiteten diese Frauen in sog.
Frauenberufen wie als Lehrerin in Mädchenschulen, als Fachkraft
in Gesundheitszentren und
Frauenkliniken .
Die restriktive Politik des Ministerpräsidenten
Mohammad Haschem Khan, ein Onkel des Monarchen, war dafür verantwortlich, dass
die Bemühungen dieser Frauen fruchtlos blieben. Da Königs
Zaher Schah, als er nach der Ermordung seines Vater gekrönt
wurde, noch minderjährig war, erledigten seine beiden Onkel die
Regierungsgeschäfte.
Doch den Forderungen
der Frauen aus höheren und mittleren Gesellschaftsschichten und
insbesondere den der Rückkehrerinnen nach Abschaffung der Gesetze,
die die Frauenrechte
einschränkten, konnte erst dann
einigermaßen entsprochen werden, nachdem im Jahre 1946 der erste
Onkel des Monarchen, der Ministerpräsident Mohammad Hschem Khan und
im Jahre 1956 auch sein zweiter Onkel als Regierungschef zurücktraten.
Dabei spielten die zweiten
Demokratisierungsversuche der 1947 in Kandahar
gegründeten Organisation "Wache Jungend" eine bedeutende Rolle,
die sich für grundlegende Reformen im Lande einsetzte.
Am Unterricht
nahmen die Mädchen und
Frauen ohne Schleier teil und in vielen Institutionen und Krankenhäusern
waren Tschadar sowie Burka bei den Frauen verpönt. Außerdem
trugen nicht alle Afghaneninnen diesen blauen
Ganzkörperschleier (arab. Burka, wörtlich:
Maske, Gesichtsmaske, Schleier), wohl aber trugen sie in den Dörfern
bunte und farbige große Tücher, die in Afghanistan Tschadar
(Tschador) heißen. Tschdar oder Tschador bedeutet
eigentlich Zelt. Ferner
kannten und kennen viele Stämme Afghanistans den Ganzkörperschleier
überhaupt nicht. Bei einigen afghanischen Volksgruppen ist die Jagd und
Viehzucht (der Hirt war nur männlich) den Männern
vorbehalten, während die Frauen für die Feldarbeit zuständig
sind. Diese Frauen und die afghanischen Nomaden können schon auf
Grund ihrer Beschäftigung nichts mit der Burka anfangen und kennen es
nicht als Kleidungsstück für Frauen. In den Hochebenen des Hindukusch und
den weiten Steppen des Landes hat sich der
Ganzkörperschleier ebenfalls nicht etablieren können. So ist er - auch wenn es komisch klingen mag - ein Ausdruck der Modernität und
Urbanisierung gewesen, da dieses Gewand einst lediglich in den reichen
Vierteln der Städte getragen wurde. Denn er war sehr
teuer.
Möglicherweise haben
wohlhabende Pilger, die sich eine Pilgerfahrt leisten konnten, die
Gesichtsmaske nach Afghanistan gebracht. Sie waren auch diejenigen, die
sich mehrere Frauen leisten konnten. Als Prototyp scheint der afghanische
Ganzkörperschleier die arabische Gesichtsmaske mit dem traditionellen
Tschadar zu verbinden.
So ist
es zu verstehen, warum die Frauen
jener Volksgruppen, die aus ihren Gebieten wegen Trockenheit und Dürre
seit den 50er Jahren nach Kabul einwanderten, um hier zu arbeiten, auf einmal
anfingen, ihre bisherige Verhaltensweisen zu ändern und sich mit den
Burkas zu schützen.
Die 1932 gegründete
und kurz darauf verbotene afghanische
Pfadfinderorganisation wurde im Jahre 1957 reaktiviert. Damals gehörten
ihr 7000 Pfadfinder und Pfadfinderinnen an, wobei die Frauen und Mädchen
bei ihren Aktivitäten in diesem beschützen Rahmen keine Schleier trugen. Eigentlich galt der
Schleierzwang zwischen Wohnort und Studien- und Arbeitsplatz.
 
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Im Jahre 1959 wurde in der dritten Phase
des Modernisierungskonzepts von König Zaher Schah und in der Regierungszeit
von Ministerpräsident Daud Khan der
Schleierzwang auch noch formal per Erlass aufgehoben. In Kabuls Fakultäten konnten
sich nun die Abiturientinnen immatrikulieren.
Dieser Liberalisierung ist
es zu verdanken,
dass eine Reihe von Frauen, die im Ausland, auch an europäischen und
amerikanischen Universitäten studierten, in die Heimat zurückkehrten
und sich hier in den verschiedensten Bereichen wie Kunst, Medien, Theater, Film,
Gesundheit, sozialen Diensten und Politik engagierten.
Die Frauen begannen zum ersten Male als
Nachrichtensprecherinnen, Ansagerinnen, Moderatorinnen, Sängerinnen,
Schauspielerinnen, Regisseurinnen und Dramaturginnen bei Radio Afghanistan
zu arbeiten; z. B. trugen Frau Schafiqa Habibi ab 1960
und Frau Nur Jahan Farani ab 1962-1980 die Nachrichten im Radio
Afghanistan vor. Frau Farani war zudem Generaldirektorin des
Mutter-Kind-Instituts für Dörfer Afghanistans. Frau Osman
Anwari fungierte als Generaldirektorin für Kunst und Literatur und
moderierte die Radio-Sendungen über die Schönen Künste und Literatur.
Mehrmon (Frau) Parwain war die erste
afghanische Sängerin, die in Radio Kabul sang. Die heute 77-jährige
alte Dame sprach bei ihrer Rede anlässlich des
internationalen Frauentages 2003 und der Eröffnung eines
Frauen-Radios diesem den jungen Afghaninnen Mut zu, sich im
Bereich der Musik und Schauspielkunst zu behaupten.
In Kabuls vornehmen Theatern und
in weniger
vornehmen "Zahnas" (wörtlich Szene ) führten
Schauspielerinnen Dramen, Komödien und Gesängen vor. Gul
Makai, Künstlername "Fatana" spielte z..B. die Rolle
einer Schwiegertochter in der Komödie "Schwiegermutter",
die jahrelang in Kabul aufgeführt wurde. Frau Makai ist in den 80er Jahren
über Deutschland nach Amerika ausgewandert und 2002 wieder in die Heimat
zurückgekehrt. Bei den Feierlichkeiten der Großen Versammlung ( Loya Jirga ) wirkte
sie in einem Theaterstück mit. Heute ist sie Direktorin der "National
Gallery
Afghanistan".
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Frau mit Tschaderi 2002,
allerdings sehr modern
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Gulmakai 2002

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Die Zahl der afghanischen Sängerinnen nahm allmählich zu. Manche Hits wurden in Afghanistan und im Iran zum Schlagern. Inzwischen besitzt
Afghanistan ein Orchester mit den typisch afghanischen Instrumenten.
Radio Kabul expandierte und nannte sich nun Radio Afghanistan und ist landesweit zu hören.
Frau Kubra Nurzai schaffte
es: im Jahre 1963 wurde sie Gesundheitsministerin Afghanistans. Das
Ressort leitete sie bis 1969. Dies war deshalb möglich, weil laut
Entwurf der Verfassung kein Mitglied der Königsfamilie mehr
Ministerpräsident werden darf und somit der große Einfluss des
Königshauses sich auf die Besetzung einzelner Posten im Lande
verringerte. Im Jahre 1964 übernahm der
Amani-Schüler, Dr. Jossef, das Amt des Ministerpräsidenten in Afghanistan und schlug eine Verfassung vor, die von der großen
Versammlung ratifiziert wurde. Im Jahre 1965 wurden Parlamentswahlen durchgeführt.
Frau Anaita Ratebzad, die ihre Ausbildung
als Krankenschwester in USA abschloss, kehrte 1953 in die Heimat zurück
und arbeitete im Masturat-Krankenhaus in Kabul. 1959 schrieb sie sich in
der medizinischen Fakultät für ein Medizinstudium ein. Nach dem
Studium war sie Mitglied der Volksdemokratischen Partei Afghanistan (VDPA)
und wurde bei den Parlamentswahlen als Abgeordnete gewählt. 1967
wurde sie Vorsitzende der Frauenorganisation der VDPA. Nach dem Putsch von
1978 war sie Mitglied des Revolutionsrats und schließlich Mitglied
des Zentralkomitees der VDPA. Sie fungierte je nach politischer Lage und
Stimmungsverhältnis der beiden Fraktionen der VDPA als Botschafterin,
Ministerin für Kultur, Ministerin für höhere Bildung und
Ministerin für Gesundheit.
Frauen
arbeiteten in den u.a. von den USA, der Bundesrepublik Deutschland, der damaligen Sowjetunion und anderen Industriestaaten geförderten
Fabriken und Projekten, Institutionen und Gesellschaften wie
Djangalak-Fabrik (Fabriken für Metallverarbeitung, für Bauwesen und
Holzverarbeitung), Afghan-Wollindustrie (AWI), Paktia-Projekt (für
Wiederaufforstung), Siemens
AG, Ariana Afghan Airline (eine Tochtergesellschaft von Pan-American)
usw. als Arbeiterinnen, Angestellten und im Servicebereich.
Innerhalb von 10 Jahren stieg die Zahl der
Schülerinnen und Schüler um das Neunzehnfache. Inzwischen besaß jede Stadt
ein Mädchengymnasium. Im
Jahre 1972 betrug die Schülerzahl landesweit 690 000, von denen 120
000 Mädchen waren In diesem Jahr gab es in Afghanistan
insgesamt 3500 Schulen. Inzwischen konnten sich die Mädchen in
allen Berufen bis auf die Mullah-Ausbildung (Taleb) ausbilden lassen.
Lediglich 1% der Abiturienten konnten in
der einzigen Universität in Kabul und in der medizinischen Fakultät
in Djalalabad studieren. Studentinnen und Arbeiterinnen haben sich an
Demonstrationen und Aktionen zur Verbesserung ihrer Lage beteiligt.
Schülerinnen verschiedener Gymnasien nahmen an den Demonstrationen und Protesten der 60er
und 70iger Jahren in Afghanistan teil.
Leider führten diese Proteste zur Verschärfung der Gesetze und zu Einschränkungen der demokratischen Rechte, obwohl die studierenden und
arbeitenden Frauen sich für die Verbesserung ihrer Situation und für die
Entwicklung des Landes engagierten. Der Regierung gelang es nicht,
die Jugend- und Frauenbewegungen in einen echten Demokratisierungsprozess
des Landes zu integrieren.

Statt dessen benannte König Zaher
Schah Mossa Schafiq, den geistigen Chefideologen der Islamische Bruderschaft um Gulbuddin
Hekmatyar zum Ministerpräsidenten, welche die Opposition
polarisierte. Hekmatyars Anhänger waren
auch diejenigen, die die Schülerinnen und Studentinnen mit Säure
besprühten
und einige Frauen dadurch entstellten.
Nachdem Putsch von 1973 kam Daud an
die Macht. In dieser Zeit stieg die Anzahl der afghanischen Frauen im
Berufsleben und die Zahl der Mädchenschulen weiter rapide an. Am Ende seiner
Regierungszeit gab es auch eine Fernsehstation in Afghanistan, die Daud
von Japan kaufte. Doch die Eröffnungsrede zur landesweiten
Ausstrahlung hielt Amins großer Lehrer Taraki. Hier hatten die
afghanischen Frauen die Möglichkeit, Kunst, Gesang und Tanz auch
noch visuell vorzuführen. Inzwischen arbeiteten sie auch als Regisseurinnen
und Moderatorinnen, Musikerinnen und Sängerinnen.
Mit dem April-Putsch 1978 erließen
die neuen prosowjetischen Machthaber hintereinander zahllose Dekrete und
Verordnungen. Ein Erlass betraf die Gleichberechtigung der Frauen. Die Reformen scheiterten eine nach der
anderen. Das Regime verhaftete
Intellektuelle, richtete Tausenden von Menschen hin. Afghanistans
Gefängnisse waren voll von politischen Gefangenen. Kabuls berüchtigte
Pole Tscharchi Gefängnis war mit über 15 000 Menschen überfüllt.
Es herrschte eine Atmosphäre des Terrors im Lande.
Kurz nach dem Putsch und nach der
sowjetischen Besetzung Afghanistans verließ auch eine Vielzahl von Frauen,
darunter viele Künstlerinnen, Dichterinnen und Schriftstellerinnen das Land.
Zu den bekanntesten Dichterinnen und Schriftstellerinnen gehören u.a.
Amdjade Rezaie, Bahar Sayed Alhan, Parwin Feiszada Malal, Soraja Wahedi,
Hazeqa e Herawi, Hamida Hosseini. Omeria Malekriar Saldjuki,
Omeria Dastagierzada, Khaleda Frogh, Zarghona Hobaidi, Schakila Azizzada
und Laila Khoram .Auch ihre Exilliteratur steht in der Tradition von der berühmten
Rabia e Balchi, die in der Renaissance der Dari- Dichtung mitwirkte.
Dichterin
Bahar Sayed Alhan

Die Männer und männlichen Jugendlichen
mussten für den Krieg rekrutiert werden. Da war das neue Regime darauf angewiesen, eine
frauenfreundliche Politik anzubieten. Viele verwitweten
Frauen hatten zwei Alternative: entweder das Land zu verlassen oder in einer
staatlichen Institutionen zu arbeiten. Der Staat war der einzige Arbeitgeber.
Ferner konnten sie von den Lebensmittelgutscheinen Gebrauch machen, um
ihre mehrköpfigen Familien ernähren zu können.
Die
Qualität der Bildung und Erziehung verschlimmerte sich tagtäglich,
obwohl die Zahl der Frauen im Berufsleben und die Anzahl der Mädchenschulen
trotz der Flucht der Menschen weiterhin anstieg.
Millionen von Menschen flohen
in die Nachbarländer und Hunderttausende nach Europa, Amerika und
Australien. So sind auch viele Frauen mit verschiedenen Qualifikationen
ins Ausland immigriert. Alle Versuche des neuen Regierungschefs Dr.
Nadjibullah während der Offenheitsperiode von
Gorbatschow um nationale Versöhnung, Machtteilung,
demokratischen Wahlen unter UNO Aufsicht und die friedliche Beilegung des
Afghanistan-Konfliktes scheiterten, weil die USA und die von
Vereinigten Staaten militärisch massiv geförderten sieben
islamischen Parteien, darunter auch der Vorsitzende der Hezbe Islami,
Gulbuddin Hekmatyar, dies nicht wollten.
1992 übernahm die aus sieben in Pakistan
residierenden, ausschließlich aus Sunniten bestehenden koalierenden Parteien die Macht. Der antirussischen Koalition gelang es
nicht, eine stabile Regierung zu bilden, die bewaffneten
Auseinandersetzungen zu beenden und Afghanistan zu befriedigen. Durch die von fremden Mächten bis an die Zähne bewaffneten Hezbe Islami
von Gulbuddin Hekmatyar und dessen Raketen wurde Kabul in Schutt und
Asche gelegt und Afghanistan total ruiniert. Als Folge hatten es die
Taleban leicht, ihre Gewaltherrschaft von Kandahar aus allmählich in die
anderen Provinzen auszuweiten, die Scharia bestialisch zu praktizieren,
Hände abzuhacken, Frauen öffentlich zu exekutieren, kurz
die Menschenwürde
mit Füssen zu treten und die 5000jährige Kunst und Kultur Afghanistans vollständig
zu zerstören.
So waren
es wiederum die afghanischen Frauen, die im Exil und im
Landesinneren die Hauptlast der Versorgung und der Erziehung der Kinder trugen. Auf
ihrer Initiativen hin unterrichteten sie die Mädchen nach ihren Mitteln und Möglichkeiten
im Untergrund, da abermals die Männer in den Kampf zogen. Beinahe 90% der Frauen sorgten im iranischen und
pakistanischen Exil für die schulische Bildung der Kinder und
fungierten als Lehrerinnen meist ohne Vergütung. Sie
gründeten Schulen. Dank der Improvisationskunst der Lehrkräfte,
internationaler Hilfestellung und der Motivation der Schulkinder werden in
den Schulruinen in drei Schichten unterrichtet, damit alle Kinder, die
lernen wollen, dies auch können.
Im
Jahre 2002, also nach der Befreiung, gab es in Afghanistan ca.
3500 Schulen; im Jahre 1972 gab es auch soviel.
Der
Unterschied:
1972
standen für ca. 690.000 Schüler 3.500 Schulgebäude zur Verfügung, 2002
gab es für 3,5 Mio. Schüler und Schülerinnen 3.500 Schulen,
von denen 70% völlig zerstört waren und der Rest
renovierungsbedürftig ist . Heute machen Frauen über 50% der Lehrkräfte
Afghanistans aus.
Anmerkung
Diese
sog. acht "Kardinaltugenden" des Buddhismus sind:
-
Rechte
Ansicht (Samma Ditthi)
-
Rechtes
Denken (Samma Sankappo)
-
Rechtes
Rede (Samma Vaca)
-
Rechte
Handlung (Samma Kammanto)
-
Rechter
Lebenserwerb (Samma Ajivo)
-
Rechte
Anstrengung (Samma Vayamo)
-
Rechte
Achtsamkeit (Samma Sati)
-
Rechte
Konzentration (Samma Samadhi)
Die
drei Tugenden stammen von Zarathustra:
-
Richtiges
bzw. wohlwollendes Denken (Pendar e neek)
-
Richtiges
bzw. wohlwollendes Sagen (Goftar e neek)
-
Richtiges
bzw. wohlwollendes Handeln (Kerdar e neek)
nach
Oben
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