Grußwort des Bundesministers des Auswärtigen zu den Feierlichkeiten zum 80. Jubiläum der Amani-OberrealschuleKabul,
den 20. April 2004 Verehrter
Herr Minister Abdullah, verehrter
Herr Minister Qanooni, sehr
geehrte Frau Direktorin Pashtun, sehr
geehrter Herr Direktor Fahim, Exzellenzen, liebe
Lehrerinnen und Lehrer, liebe
Schüler, meine
Damen und Herren, ich
danke Ihnen herzlich für Ihre Einladung und die Gelegenheit, heute hier
in Ihrer Schule zu Ihnen sprechen zu können. Die
Amani-Oberrealschule ist ein Symbol für die enge Verbundenheit zwischen
Deutschland und Afghanistan. Denn seit ihrer Gründung vor 80 Jahren wird
hier Deutsch unterrichtet, fast durchgängig mit Unterstützung von
Lehrerinnen und Lehrern aus Deutschland. Viele
ehemalige Amani-Schüler haben immer Kontakt zu Deutschland gehalten,
gerade auch in den Jahren, in denen Afghanistan unter Krieg und Bürgerkrieg
so gelitten hat. Diese Amani-Absolventen trugen und tragen dazu bei, dass
sich die Beziehungen zwischen unseren Ländern so eng und freundschaftlich
entwickeln. Vor
allem aber ist die Amani-Schule eines: Sie ist Ausdruck der hohen
Bedeutung, die die afghanische Übergangsregierung einer modernen Bildung
für die Kinder und Jugendlichen Afghanistans beimisst. Ohne
den großen Einsatz Ihrer Regierung, verehrter Herr Minister Abdullah,
verehrter Herr Minister Qanooni, gäbe es diese kulturelle Brücke
zwischen unseren beiden Ländern nach den verheerenden Jahrzehnten des
Kriegs und Bürgerkriegs heute vielleicht nicht mehr. Für
Ihren Mut und Ihr Engagement, der afghanischen Jugend – Mädchen ebenso
wie Jungen, denn die Jugend ist die Zukunft jedes Landes – wieder den
Schulbesuch zu ermöglichen, gebührt Ihnen Respekt und Anerkennung. Die
Motivation und Energie, mit der hier und an den vielen anderen Schulen
Afghanistans nach dem Sturz des Taliban-Regimes wieder unterrichtet und
gelernt wird, verdient allerhöchste Bewunderung. An den Schulen wird der
Grundstein für die Zukunft Afghanistans gelegt. Meine
Damen und Herren, als
König Amanullah diese Schule im Jahr 1924 gründen ließ, sollte ihr
Auftrag sein, „Seiner Majestät tüchtige höhere Beamte, Ärzte, Lehrer
und Ingenieure zur Verfügung zu stellen und die Schüler zu selbständigen,
verantwortungsvoll handelnden und charakterfesten Männern zu erziehen.“ Heute
würden Sie die Bildungsziele Ihrer Schule vielleicht etwas anders, etwas
moderner ausdrücken. Aber eines gilt immer noch: Afghanistan braucht gut
ausgebildete junge Frauen und Männer, die selbstbewusst und kompetent
Verantwortung für den Wiederaufbau ihres Landes übernehmen – sei es
als Strafverteidiger, als Politikerin, als Lehrer oder als
Software-Programmiererin. Denn die Intelligenz dieses Landes, und nicht
Waffengewalt, soll über die Geschicke Afghanistans entscheiden. Dazu
will die Bundesregierung auch weiterhin als Freund ihren Beitrag leisten.
Der Bildungssektor ist daher einer der Schwerpunkte unserer
Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan. Auch
die Lehrerinnen und Lehrer der Amani-Schule wollen wir dabei unterstützen,
die Schule wieder an das Bildungsniveau heranzuführen, für das sie einst
über Afghanistan hinaus bekannt war. Damit
wollen wir beim Aufbau eines modernen und demokratischen Afghanistan mit
einer vielfältigen, lebendigen und einflussreichen Zivilgesellschaft
helfen. Weil dazu der Beitrag der Mädchen und Frauen unverzichtbar ist, fördern
wir auch das Aische-e-Durani-Mädchengymnasium. Ich
freue mich deshalb besonders, dass auch Schülerinnen des
Aische-e-Durani-Gymnasiums im Rahmen des ersten deutsch-afghanischen Schüleraustausches
in diesem Spätsommer für einige Zeit nach Sachsen kommen werden. Die Schülerinnen
und Schüler in Elsterberg und Chemnitz sehen dem Besuch ihrer
afghanischen Gäste schon voll Freude und Erwartung entgegen. Meine
Damen und Herren, liebe Schüler, ich
möchte Ihnen, die Sie als Schüler, Lehrer und Eltern den besonderen
Geist der Amani-Schule gemeinsam prägen, recht herzlich danken. Und ich möchte
Sie ermuntern, diesen Weg unbedingt weiterzugehen. Ich
gratuliere Ihnen allen herzlich zum 80jährigen Bestehen der
Amani-Oberrealschule und wünsche Ihnen viel Freude bei der Jubiläumsfeier. Vielen
Dank!
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