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Aschia e Durani

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Aschia e Durani –Dichterin am Hofe von Timor Schah zu ihrem 147. Todesjahr

Aschia Durani ist in der „Kotscha e Tuptschi a“ („Kanonenbediener Straße“) in Kabul Ende des 18. Jh. n. Chr. geboren. Sie war die Tochter von Jakob Ali Khan Barekzai. 

Der Stamm Barekzai ist ein Zweig der Durani-Dynastie. Ahmad Schah Durani, genannt „Baba“, „Vater“ gründete im Jahre 1747 in Kandahar ein Riesenreich, das später „Afghanistan“ getauft wurde. 

Nach dem Tod seines Vater Ahmad Shah Baba e Durani verlegte Timur Shah Durani (1773-1793) die Hauptstadt von Kandahar am Fluss Kabul in die Stadt Kabul, die in der Provinz Kabul liegt. Sein Mausoleum liegt heute am Kabulfluss nahe der Pol e Baghe Omumi, unweit vom traditionsreichen Gebäude, in dem seit den Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts die „Aischa Durani-Oberrealschule“ für Mädchen untergebracht ist. 

Aschia e Durani gehörte zu den wenigen afghanischen Frauen der Jahrhundertwende des 18. zum 19. Jh. die Kulturtechniken gut beherrschte. Im Privatunterricht erwarb sie das Wissen über Grammatik und Geographie, islamische Lehre, Arabisch sowie über die Literatur des Dari, die als Hof- und Kultursprache nebst nationalen Sprachen in Zentralasien fungierte. 

Timor Shah, der wie fast alle Könige in diesem Kulturkreis selbst ein Dichter des Paschtu und Dari war, förderte überwiegend lieber Kultur, Kunst und Literatur als in Kriege zu ziehen wie es sein Vater Ahmad Shah Baba und dessen Söhne und Nachfolger getan haben. So förderte er auch Aschia e Durani, die ihr erstes Gedicht vor dem Literaturliebhaber Timor Shah Durani vorgetragen haben soll. 

Der Vater der Dichterin ist im Krieg gefallen, der unter der Herrschaftszeit von Mahmod Shah Durani einem der zahlreichen Söhne des „Sonnenkönigs“ stattfand und die das Land in unnötigen Chaos stürzten. 

Ihr Sohn Feiz Talab ist im Jahre 1848 in der Kaschmir-Schlacht ums Leben gekommen. Drei Jahre zuvor war der Freiheitskämpfer und Held des afghanischen Volkes Wasir Akbar Khan gefallen. In diesem Zusammenhang verfasste die Kabuler Dichterin folgende doppeldeutigen allegorischen Verse, die ihr eigenes Schicksal mit der allgemeinen Situation des Landes, insbesondere nach dem Tod des großen Gönners, verband:

 

Ich erblickte die abendliche Dämmerung

Sie schien mir wie Morgenrot

Dabei vergaß ich völlig mein Abendgebot

Unverhohlen verweilt die Sonne nimmer

Ihr Gewand befleckten sie Purpur wie immer.

 

Dieses tragische Ereignis bedeutete einen herben Verlust für die Dichterin. Um ihre Trauer zu verarbeiten, schrieb sie ihr zweites Diwan, in dem sie ihre Empfindungen mit Symbolen aus der Geschichte und Tradition des Landes versinnbildlichte.

 

Mal bin ich wie der Morgen hell auf dem königlichen Thron,

Mal bin ich wie der Abend dunkel verwirrt wie ein Vagabund

Hier schreite ich hin zum Weinschenke und bete Götzen an

Dort gehe ich in die Moschee und rezitiere den Koran

 

Bezugnehmend auf die Geschichte und die Gebietverluste des Landes es heißt u.a. in folgendem Gedicht, die sie mit ihrer persönlichen Verluste verglich:

 

Ich verlor meinen Ko e Noor (1) und vermisste die Rubine von Badachtschan (2)

Aschia wurde verwundet und welk wie die roten Tulpen

Meinen vier Liebhabern (3) werde ich stets ergeben sein

Ihre fünf Körper (4) sind mir dennoch zerronnen

 (..)

  1. Größter Diamant der Welt, „Koh e Noor“, welcher der indische Maharadschah dem Sultan Mahmmud von Gazna im 11. Jahrhundert n.Chr. schenkte und der dann im Besitz des  persischen Kaisers Nader e Afschar war, bekam Ahmad Schah Durani wegen der Rettung seiner Familie zurück. Während des angelo-afghanischen Krieg-Friedensprozess soll er der britischen Monarchie geschenkt worden sein. Heute befindet sich der „Ko e Noor“ , inzwischen in zwei Teile geteilt, im Londoner Tower bei Juwelen der Queen.
  2. 1865,  9 Jahre später eroberte der russische Zar auch Tashkent, Bukhara und Samerkand
  3. Tschar Yar (vier Liebhaber) wird als die vier Gefährten des Propheten Mohammad interpretiert.
  4. Panj Tan („fünf Körper“) wird als die fünf Säulen des Islam gedeutet. (Verbales Bekenntnis, Fünf mal am Tag Beten, Almosen, Ramazan und Pilgerfahrt) bzw. fünf Mal am Tag beten.

Aschia e Durani ist im Sonnenjahr 1235 H. (1856 n. Chr.) in Kabul gestorben. Ihr Manuskript ist während der Herrschaftszeit von Amir Abdul Rahman Khan (1880- 1901) in handschriftlich tradierten Schrift des Dari als Divan herausgegeben. 

Die von der Bundesrepublik geförderte und inzwischen wiederaufgebaute bilinguale Aschia e Durani Oberrealschule für Mädchen (Deutsch als Fremdsprache) trägt ihren Namen.

 

  aus: www.afghanistangov.org