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Zum Curriculum gehörte auch
die
humanistisch-abendliche Tradition Dramen,
Lustspiele und Komödien führten die Schüler der Oberstufe in
deutscher Sprache auf
Als die Amani-Oberrealschule vor 84 Jahren am
15.04.1924 von König Amanullah feierlich eröffnet wurde, unterstützte
Deutschland die Oberrealschule finanziell und konzeptionell. Dr.
Iven, der erste Rektor der Schule leitete diese Bildungsstätte von
den Gründungsjahren bis 1935. Danach fungierten bis zum Kriegsende
Herr Struck und Dr. Gräfe als deutsche Direktoren der Schule, bis
die deutschen Lehrkräfte das Land verließen. Dr. Popal und Abdul
Ghafor Breshna waren die ersten beiden Direktoren, die die Schule
ohne deutsche Lehrkräfte aber auf gleichem Niveau leiteten, bis in
den Jahren des Wiederaufbaus die Bundesrepublik Deutschland die
Arbeit mit Entsendung von Lernmitteln und Lehrkräften
wiederaufnahm. In den Jahren der Herrschaft der
„Volksdemokratischen Partei Afghanistan“ 1978-1992 engagierte
sich die DDR stark für diese Schule.
In dieser renommierten Bildungsstätte war Deutsch nicht nur
Fremdsprache, sondern auch Unterrichtsprache. Naturwissenschaftliche
und mathematische Fächer, aber auch Philosophie und Logik wurden
auf Deutsch unterrichtet. Als das bildungspolitische Konzept stand, für den afghanischen
Staat Fachleute auszubilden, und die ersten Absolventen ihre Reifeprüfungen
ablegten, wurde auch die Idee der Dramenvorführung geboren, die
Konflikte des menschlichen Seins in Worte zu fassen.
Dank der Bemühungen großer afghanischer Dramaturgen wie Beset,
Breshna und Saljuki wurde auch die afghanische Dramaturgie, die in
den Jahren 1919-1929 entstand, im Jahre 1942 wiederbelebt, zumal das
große Allroundtalent Abdul Ghafor Breshna in der Bundesrepublik
Kunst und Kultur studierte und während des zweiten Weltkrieges nach
Dr. Popal die Oberrealschule in Kabul leitete, die zu dem Zeitpunkt
in Nedjat-Oberrealschule umbenannt wurde.
Parallel haben die Deutschlehrer den Schülern nicht nur die
deutsche Grammatik beigebracht, sondern auch die deutsche Literatur.
Insbesondere die Dramen der Klassik, die als „Gipfel der
Dichtung“ im Okzident bezeichnet werden, aber auch Werke der
deutschsprachigen Dichter aus Österreich und der Schweiz sowie
deutsche Übersetzungen englischer und französischer Dichter haben
diese Lehrer mit den Schülern der Amani-Oberrealschule ins Szene
gesetzt.
40er Jahren
Zu dieser Zeit nahmen auch die Zuschauer bei den Schultheateraufführungen
zu. Sie wurden zum integralen Bestandteil der alljährlichen
Tradition in der Amani-Oberrealschule. Die Schüler der Oberstufe führten
anlässlich der Feierlichkeiten ihrer Reiferprüfungen Dramen europäischer,
insbesondere der deutschsprachigen Dichter auf.
Hauptsächlich Lustspiele und Dramen der deutschen Klassiker,
aber auch klassische und epische Dramen wurden aufgeführt. Bis zur
Fertigstellung des neuen Schulgebäudes stellten die afghanischen
Kino- und Theaterpaläste und Radio Afghanistan ihre Säle für die
öffentlichen Theateraufführungen zur Verfügung. Theaterstücke
wurden mehrmals für die deutsch-sprechenden Afghanen und für ca.
4000 in Kabul arbeitenden und lebenden Deutschen vorgeführt, die
bis Anfang der 70er Jahren die größte ausländische Gemeinde in
Kabul bildeten. Für eine Uraufführung war der Kunstsaal des alten
Hauptgebäudes im Alm Ganj Garten vorgesehen, der Anfang 1961 völlig
abbrannte. Ab 1971 diente als Vorführungsraum die Mehrzweckshalle
der Schule, die in Afghanistan als „Gymnasiam e Amani“ bekannt
ist. Am 20.04. 2004 findet hier der offizielle Festakt des Jubiläums
und der Übergabezeremonie der beiden Schulen, die mit Hilfe
Deutschlands wiederaufgebaut sind.
Folgende Dramen, Lustspiele und Komödien wurden von den Schülern
unter der Leitung eines Deutschlehrers, eines Germanisten, aufgeführt:
1957
Das dramatische Märchen „Traum auf Leben“, von Franz
Grillparzer
Dr. Said Abdullah Qaderipur in der 10. Klasse
1958
Tragikomödie „Der Kaufmann von Venedig“ von William
Shakespeare
Dr. Said Abdullaj Qaderipur in der 11. Klasse
1959
“Emilia Galloti” von Lessing
Dr. med. Wahed Qari spielte die Rolle des Vaters von Emilia
Galotti
Dr. Said Abdullah Qaderipur spielte in der 12. Klasse die Rolle
des Conti
1960
Ovids Metamorphosenpersiflage Pyramus und Thisbe, gespielt von
den Schülern der Oberstufen 1958/1960
Kaum eine Geschichte hat solche Auswirkungen auf die Dramen der
Literatur in der Amani-Oberrealschule wie die Persiflage, die auf
Ovids Stoff zurückzuführen ist. Die Metamorphose von Pyramus und
Thisbe war oft für die Schüler der Oberstufe ein Motiv, in dem sie
ihren Gedanken freien Lauf ließen und sich mit verschiedenen
Autoren dieser Verwandlungsgeschichte auseinander setzten konnten.
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