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Für die Konstruktion
des Drachen werden folgende Materialen benötigt:
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Buntes
Transparentpapier, "Tir" (Pfeil) und "Kaman"
(Bogen), geschnitten aus Bambus, Klebestoff, Faden.
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Für die Konstruktion der Fadenspule werden ein
Holzstab, zwei dünne Holzscheiben, ca. 10 Stäbchen und Klebestoff
benötigt.
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Der Drache als Fabeltier wurde in dem Kulturkreis auf dem Boden des
heutigen Afghanistan als Zeichen des
Glücks und der Fruchtbarkeit gesehen. Vom Herbst bis zum Frühlingsanfang lassen die Kinder, Jugendlichen und selbst die
Erwachsenen ihre selbst gebastelten Drachen steigen. Das Highlight des
Drachensteigens ist während des traditionellen Neujahrfestes, Nauroz, das am Frühlingsanfang
seit ca. 3000 Jahren zelebriert wird.
Während die Felder und Wiesen mit diversen Tulpen und
Wildblumen übersät sind, lassen Kinder, Jugendliche und
Heranwachsende ihre Kunstwerke am Himmel flattern. Dabei werden Wettbewerbe und -kämpfe organisiert
und Wetten abgeschlossen.
Auch die Schnüre
werden für diesen Kampf besonders präpariert: sie werden mit einer Masse aus
Scherbenpulver und Klebstoff überzogen. Oft ist diese Schicht so scharf, dass
die Jugendlichen, die die Schnur halten, Handschuhe bzw. "Kelkak" einen Fingerschutz
tragen müssen. Von der Schärfe
der Schnur, der Leichtigkeit des Drachens ("Godi" = "Puppe", so nennen die Spieler
ihren Drachen), Windstärke und von ihrer Geschwindigkeit hängt es ab, wer das
Spiel gewinnt.
Für den Wettkampf braucht
der Besitzer des Drachen einen Mitspieler, der die Fadenspule (TSCHARCHA) hält
und den Faden abspult. Wenn der Drachen eine bestimmte Höhe erreicht hat und
die passende Windstärke vorhanden ist, werden die beiden Schnüre verkreuzt, und
dann wird solange Leine nachgegeben, bis eine der Schnüre zerreißt. Der Drachen,
der "asad" (los) ist, darf von jedem behalten werden, dem es gelingt,
ihn einzufangen. Sieger ist der Besitzer des Drachen, dessen Schnur nicht
zerreißt.
Größe des Drachens
1
"Mahigak" ("Fischchen") = Drachen für
Kleinkinder
2..
Niem-Partscha bzw. Niem-Tackta-i = Drachen, bestehend aus einem halben Teil des Papiers (nur Kinder)
3.
Yak-Partscha = Drachen aus einem Teil
4. Se-Partscha = Drachen aus drei Teilen (Goldene Mitte)
5. Panj-Partscha Drachen aus fünf Teilen (für Heranwachsende)
6.
Haft-Partscha = Drachen mit sieben Teilen (für Profis)
7.
Ascht-Partscha = Drachen mit acht Teilen (für Scharti =
"Zocker" bzw. für Profis)
wobei
"Partscha" hier das Maß eines Bogen Papiers bezeichnet,
der u.a. für den Drachenbau gebraucht wird (vergleichbar mit DIN A
)
Die Drachen für Kleinkinder werden
aus Plastikfolie bzw. -tüte hergestellt.
Formen des Drachen
Nur selten lassen einige Profis ihre
Drachen mit Kerzen steigen, ansonsten variieren die Formen des
Drachen in Afghanistan kaum. Drachenschwänze
verleihen dem Drachen nicht nur die nötige Stabilisierung, sondern
auch das passende Design. Durch diese "Aerodynamik"
können die Spieler besser das Flugverhalten des Drachen
kontrollieren. Drachenschwänze tragen auch zur adäquaten Nutzung
des Windes bei.
Farben des Drachens
Beliebt waren in einigen Zeiten die
drei Farben (schwarz, rot und grün) der afghanischen Nationalflagge.
Die Kommunikation der Drachenspieler
Für Godiparan Bazi (Drachenspiel) und Godiparan Jangi
(Drachenwettbewerb) ist im Laufe der Kultur- und Kunstgeschichte eine Art "Drachensprache"
entwickelt worden. Kleinkinder, deren Kunst und Fingerfertigkeit
beim Drachensteigen überwiegend vom Winde abhängt, singen folgende
Verse (Kinderreime), wenn sie sich Wind wünschen:
"Heiderak e Jelani Schamal ha ra torani"
mit folgender Übersetzung "Kleiner Heider Jelani, wecke den
Wind auf zum Wehen". Sie sind auch überwiegend auf das "Goschak-Greftan"
("Ohren halten") angewiesen. Dies bedeutet,
dass "Goschakgier" der sich zuvor um einige Meter von dem
Standplatz entfernt hat, den Drachen an den beiden
horizontalen Ecken hält. Der Drachenführer zieht die Schnur zu sich und
der Fadenspulenhalter spult den Faden, ohne dass einer von beiden
seinen Platz verläßt.
Kinder, die Fadenspulenhalter und Drachenhalter nicht haben, müssen
manchen Meter laufen, um ihre Drachen steigen zu lassen. Sie laufen
auch, um die los gewordenen Drachen und die Faden zu fangen.
Die Profis machen selbst bei vollständiger Windstille
keinen Gebrauch von "Goschakgier", denn sie raspeln kurz
vor dem Drachensteigen die Bambusstäben, die sog. "Pfeil und
Bogen" (Skelett") ihres Drachen, verlängern die Drachenschwänzen
und wenden weitere Tricks an, um Geschmeidigkeit und Biegsamkeit der
Bambusstäben zu erhöhen, die Windfläche zu vergrößern, damit sie
ihre Kunstwerke am Himmel trotz Mangels an Wind segeln lassen
können.
Manchmal ist die Entfernung
der Spieler voneinander so groß, dass eine Verständigung nur durch die
Drachenbewegungen möglich ist, oder es laufen kleinere Kinder mit Nachrichten
von einem Spieler zum anderen.
In den Städten, vor allem
in Kabul, ist dieser Sport in den Wintermonaten schon beinahe zu einem
"Wirtschaftszweig" geworden, da hier die Jugendlichen leicht die nötigen
bzw. fertigen Materialien kaufen können. Für den Bau des Drachens waren die
Händler von Schur-Bazar berühmt. Schur-Bazar liegt im Altstadt von
Kabul, nahe bei Kharabad (Musikerviertel) unweit von Hindugozar.
Godi (Kaghaz) Paran Bazi
(Drachensteigen-Spiele)
Die Jugendlichen lassen
ihre Drachen ganz normal, ohne jede Wettkampfabsicht, steigen.
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