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Entwicklungsgeschichte
des afghanischen Bildungswesens
Das Konzept des afghanischen
Erziehungsministeriums
Ist das
Konzept des afghanischen Bildungswesens ein Paradigmenwechsel in der
Bildungspolitik ?
Heimerziehung bzw. Erziehung der Straßenkinder
(Waisen)
Nationale Programme zum
Wiederaufbau u.a. der Erziehung und Bildung
Das Konzept des afghanischen
Erziehungsministeriums
Das afghanische Ministerium für Erziehung entwarf bereits
im August 2002 ein Konzept zum Wiederaufbau des afghanischen Schulwesens
in der Sprache Dari. Hier stelle ich eine kurze deutsche Zusammenfassung
vor:
Das Konzept beinhaltet folgende Ziele:
-
Wiederaufbau des Bildungswesens
-
kostenfreie Allgemeinbildung
-
Schulpflicht in der Grundschule (1. bis 6.Klasse)
-
Qualitätserhöhung
-
gleichmäßige Entwicklung des Schulwesens in der Stadt und auf dem
Lande
Momentane Situation des Schul- und Bildungswesens
In dem Kapitel über die momentane Situation des Bildungswesens legt das
Konzept unmissverständlich eine realistische Einschätzung vor. Durch
jahrelange kriegerische Auseinandersetzungen und fremde Einmischungen
brachen die politischen und gesellschaftlichen Strukturen sowie die
wirtschaftlichen Grundlagen des Landes zusammen.
Kinder und Jugendliche
hatten keinen Zugang zum Unterricht. Afghanische Schulkinder waren
innerhalb und außerhalb des Landes auf der Flucht. 70% der Schulen samt
Ausstattung und Einrichtung, Laboren und Unterrichtsmitteln sind total
zerstört. Es besteht eine Kluft zwischen Land und Stadt. Der Ausschluss
der Mädchen und Frauen aus dem Bildungsprozess verschlimmerte noch die
katastrophale Lage im Bildungswesen. Das afghanische Curriculum ist nicht
nur unterentwickelt und unübersichtlich, sondern auch weitgehend
uneinheitlich. Das Bildungsniveau ist im Vergleich zum internationalen Maßstab
zu niedrig. Lehrer kamen ums Leben oder wanderten aus. Es fehlen die für
Erziehung und Bildung notwendigen finanziellen und materiellen Mittel.
Das Erziehungsministerium stellte sich für das Jahr 2002 auf eine
Einschulung von 1 Mio. Kinder ein. Tatsächlich meldeten sich 3 Mio.
schulpflichtige Kinder (von insgesamt 4,5 Mio.; 1,5 Mio. Kindern ist der
Schulzugang jedoch immer noch verwehrt) an, so dass für 2 Mio. Kinder
keine Lehr- und Lernmaterial zur Verfügung gestellt werden konnten.
Neuankömmlinge aus dem Exil haben nun kaum eine Möglichkeit, eingeschult
werden. Von den 5063 Schulen des Landes sind 70 % völlig zerstört.
Demnach bedürfen 3525 Schulen einer totalen Renovierung bzw. einen
Neubau. 873 Schulen müssen teilweise renoviert werden. 665 benötigen nur
leichte Reparaturen.

Die Bildungspolitik der Übergangsregierung
· ermöglicht kostenfreie Allgemeinbildung als Grundschulpflicht für
alle, unabhängig von Geschlecht, ethnischer, sprachlicher und religiöser
Zugehörigkeit
-
· entwickelt Schulbildung gleichmäßig auf dem Land und in der Stadt
-
· entwirft ein neues Curriculum
-
· schafft ein neues Bildungssystem nach den gesellschaftlichen
Erfordernissen
-
· erhöht die Qualität des Bildungssystems
-
· verknüpft primäre Sozialisation harmonisch mit der sekundären
Sozialisation
-
· kämpft gegen Analphabetismus
-
· weitet die Religions-, Regel- und Berufsschulen aus
-
· unterstützt die humanitäre Teilnahme der befreundeten Staaten,
internationalen Hilfsorganisationen und die Non-Governmental-Organizations
zum Wiederaufbau des Schulwesens im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen
des Landes
-
· verwendet die Erfahrungen anderer Länder und internationaler
Institutionen
-
strebt die Modernisierung des Bildungswesens an
-
vermittelt Kenntnisse über gesellschaftsfeindlichen Phänomene wie
Terrorismus, Drogen, Krieg und Diskriminierung usw.
-
stärkt die nationale Einheit, Frieden, friedliches Zusammenleben,
Nationalbewusstsein, Fortschritt und Toleranz in allen Formen
-
vermittelt richtige Kenntnisse über den Islam und afghanische Kulturgüter
-
unterstützt Kinder bei ihrem lebenslangen Bildungsprozess, um mit
ihren Kompetenzen an einer demokratischen, friedlichen und prosperierenden
Gesellschaft Afghanistans teilzunehmen und mit anderen Ländern der Welt
konstruktive Beziehungen herzustellen
Das aus drei in sich abgeschlossenen Teilkonzepten bestehende
Gesamtkonzept für den Aufbau des Bildungswesens in Afghanistan ist mit
einem Kostenvolumen von über 1 Mrd. Dollar verbunden.
In diesem Gesamtkonzept wird dafür Sorge getragen, dass der Wiederaufbau
des Bildungswesens in Afghanistan systematisch, geplant, gezielt und nach
den besten pädagogisch-orientierten Methoden und konzeptionellen
Verfahren vonstatten geht.
Kosten
Zunächst ist ein Notprogramm mit einer Summe von 69,6 Dollar innerhalb
von drei Monaten erforderlich, welches als erste Voraussetzung für die
Realisierung eines mittelfristigen Programms mit einem Kostenvolumen von
101 Mio. Dollar unabdingbar ist, bevor dann das langfristige Programm zur
Wiederherstellung und Normalisierung des afghanischen Schulwesens
verwirklicht werden kann. Das langfristige Programm, das mit einer Dauer
von 16 Monaten beziffert wird, benötigt 875 Mio. US Dollar.
Das Ministerium für Erziehung hat zum Ziel, Kindern in der primären
Sozialisation Kinderkrippen und Kindergarten anzubieten und in ihrer
sekundären Sozialisation die allgemeine und kostenfreie Schulbildung bis
zur 6. Klasse mit der Schulpflicht zu garantieren.
Das Konzept des Erziehungsministeriums benennt die Gründe, warum 1,5 Mio.
schulpflichtiger Kinder, die sich angemeldet haben, nicht eingeschult
werden konnten:
Mangel an
-
· Lehrern
-
· Schulgebäuden
-
· Schulbüchern
-
· Schulmobiliar
Schwierigkeiten bezüglich der Lehrpersonals
1. Professionalisierung und Qualifizierung
Lösungswege
· Veranstaltung von Seminaren und Qualifizierungskursen zur
Professionalisierung der Lehrerschaft
· Hochschulabschluss als Voraussetzung für die Einstellung
· Fortbildungen während der Winter- und Sommerferien für die Lehrer,
die keinen Hochschulabschluss besitzen
· Stipendien für Auslandsfortbildungen
(Näheres finden Sie in den Projekten des Präsidiums für
Lehrerausbildungsstätten)
2. Lebensunterhalt und Vergütung
Lehrer erhalten leider nur sporadisch (vom Staat) und indirekt (von
anderen Organisationen) ein monatliches Gehalt von 43 US Dollar. Eine
sechsköpfige Familie gibt allein für Miete durchschnittlich 78 Dollar
und für Fahrkosten 6,50 Dollar aus.
Lösungswege
· regelmäßige Vergütung
· Regionalisierung der Vergütung
· Gründungen von Kooperativen
· Krankenversicherung für die medizinische Versorgung der Lehrer und
ihrer Familienmitglieder
· Verteilung von Lebensmittelgutscheinen
3. Lehrermangel
Es fehlen knapp 29.000 Lehrer in Afghanistan.
Lösungswege (langfristig)
· Erhöhung der Berufsausbildungsprogramme für Lehrer in Stadt und Land
· Erhöhung der Anzahl der Schüler und Studierenden in Pädagogischen
Instituten und Hochschulen (kurzfristig)
· Wiederaufbau der Lehrerausbildungsstätten (Dar Ul Mahlemin) in Stadt
und Land
· Wiedereingliederung der Lehrer, die jetzt in anderen Berufen arbeiten
(Näheres finden Sie in den Berufsausbildungsprogrammen des Präsidiums
der Lehrerausbildungsstätte)
Grundlegende Probleme beim Curriculum
Das Erziehungsministerium misst dem Lehrplan eine grundlegende Bedeutung
bei. Daher muss er modifiziert werden:
-
Das afghanische Curriculum ist nicht äquivalent zu anderen Curricula.
-
Es ist nicht harmonisch und proportional.
-
Es entspricht nicht dem Alter und dem Entwicklungsstand der
afghanischen Schulkinder.
-
Die primäre Sozialisation (Kinderkrippen und Kindergärten) berücksichtigt
nicht die sekundäre Sozialisation.
-
Es ist weit entfernt von Erziehungsmethoden wie der kognitive
Entwicklung durch die Sinne.
Lösungswege
Das afghanische Curriculum muss in den folgenden Punkten ergänzt und
modifiziert werden:
-
Harmonisierung des Curriculums unter Berücksichtigung der religiösen
und kulturellen Werte der afghanischen Gesellschaft
-
Harmonisierung des Curriculums im Hinblick auf den Entwicklungstand der
Schüler
Konzipierung des Lehrplans auf Grundlage der pädagogisch relevanten
Unterrichtsmethoden (Sinne und Geist)
-
Entwicklung eines mit dem regionalen und internationalen Bildungsniveau
vergleichbaren Curriculums und Entfaltung der Naturwissenschaften und
Technik
-
Vernetzung und Harmonisierung des Curriculums hinsichtlicht der Rücksichtnahme
auf zukünftige wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklungen des
Landes
-
Vermeidung von unnötigen Diskussionsstoffen und stattdessen Einführung
von Themen, die der heutigen Situation des Landes entspricht
-
Förderung von Themen, die der nationalen Einheit, des friedlichen
Zusammenlebens, der Gleichberechtigung der Frau und des Umweltschutzes
sowie dem Kampf gegen Krieg, Drogen und internationalen Terrorismus samt
dessen Spielarten dienlich sind.
Ein weiteres Problem, womit das Erziehungsministerium konfrontiert ist,
ist die Reintegration der im Ausland geborenen Kinder, die nicht über
ihre Muttersprache verfügen und im Ausland mit dem Curriculum der
jeweiligen Länder unterrichtet wurden. Für diesen Personenkreis sind
Schulen mit fremdsprachlichem Unterricht und Curricula mit internationalem
Standard erforderlich.
Bildungssystem
Für die Realisierung und Harmonisierung der oben genannten
bildungspolitischen Ziele, Qualitätserhöhung und Errichtung eines auf
Wissenschaft basierende effektiven Bildungssystems in Afghanistan werden
entsprechend Gremien, Organen und Kommissionen gegründet.
-
Bildungsrat mit dem Ziel, primäre Sozialisation auf die sekundäre
Sozialisation systematisch einzustellen.
-
Wissenschaftsgremium aus Wissenschaftlern und Experten zur Analyse und
Konzipierung von Ansätzen für die Verbesserung des Bildungswesens
-
Kommission zur Modifizierung des Curriculums
-
Kommission zur Kontrolle und Aufsicht der Finanzen des
Erziehungsministeriums
Alphabetisierungsprogramme
Probleme
Eltern melden ihre Kinder nicht an, da sie wegen der wirtschaftliche
Not der Eltern arbeiten
Erziehungsministerium ist noch nicht in der Lage, alle schulpflichtige
Kinder einzuschulen
Flucht innerhalb und außerhalb Afghanistans hat die Lage noch
verschlimmert
Aufgrund des niedrigen Bildungsniveaus in der Gesellschaft erweisen die
Eltern keine gebührende Aufmerksamkeit für die schulische Bildung ihrer
Kinder
Lösungswege
-
Erweiterung der Anzahl der allgemeinen Schulen, damit diejenige eine
Schule besuchen können, die bereit sind.
-
Erweiterung der Anzahl der Berufschulen von denjenigen Jugendliche, die
aufgrund der familiären wirtschaftlichen Verhältnisse Grundschulbildung
besitzen
-
Maßnahmen zur Motivierung z.B. Ausgaben von Essen beim Schulbesuch mit
Unterstützung der internationalen Organisationen.
-
Errichtung von provisorischen Zeltschulen mit Unterstützung der Bevölkerung
vor Ort
-
Einschulung von Flüchtlingskindern, auch wenn die Klassenfrequenz überschreitet
-
Einbeziehen der kulturellen und gesellschaftlichen Gebräuchen in der
Alphabetisierungsmaßnahmen
-
Öffentlichkeitsarbeit durch Massenmedien wie Radio- und
Fernsehsendungen
-
Durchführen von Erwachsenenbildung mit Hilfe aller Ministerien und Behörden.
-
Ergänzungskursen für Erwachsenen und Kinder
-
Berufsausbildungskursen
Das Erziehungsministerium der Übergangsregierung stellt folgende
Bildungsstruktur vor:

Anzahl der Schulgebäuden, die zerstört und renovierungsbedürftig sind:

Das war eine kurze Zusammenfassung des Regierungskonzeptes.
übersetzt von Dr. Mir Hafizuddin Sadri
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