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Rumis Übersetzer Coleman Barks reist in sein Heimatland
Er ist der populärste Dichter in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Allerdings war er vor knapp einem Jahrzehnt hier noch kaum bekannt,
wogegen heute sein Werk sogar landesweit als Unterrichtsstoff an den
Universitäten besprochen wird.
Informationen über Vorträge und Lesungen über seine Dichtung werden
in den Feuilletons der Zeitungen ebenso wie in allen Zentren der
amerikanischen Metropolen angekündigt.
Dem Ausmaß seiner äußersten Berühmtheit trug eine Gruppe von
Filmstars und Künstlern durch die Aufnahme seiner Gedichte in ihrer
Musik Rechnung.
Wer ist eigentlich dieser beispielhafte Mensch? Haben die Vereinigten
Staaten einen anderen berühmten Dichter wie Walt Whitman
hervorgebracht, um das Amerika-Lied zu singen? Oder einen weiteren
Robert Frost, der aus New England stammende Entertainer, der uns mit
seinen Liedern anfeuerte, uns auf die tiefsten unerfüllten Sehnsüchten
unserer Seele zurückzubesinnen?
In der Tat ist dieser Dichter kein Amerikaner. Amerikaner können weder
seine Lesungen in einem Hörsaal in ihrer Stadt hören noch eine
Fernsehsendung mit ihm verfolgen. Er ist nämlich vor über 700
Jahren gestorben.
Und während sein Name lediglich seit geraumer Zeit in den Vereinigten
Staaten bekannt ist, ist er im Herzen der Iraner (Iranians) seit
Jahrhunderten eingeschlossen. Sein Name lautet Jalaluddin
Balkhi, in den Vereinten Staaten besser als Rumi** bekannt.
Die Skala der Leidenschaft für Rumi liegt in den Vereinten Staaten zwar
nicht exakt auf der Höhe der Beatle-Manie zu den damaligen Zeiten,
jedoch sind die Dimensionen der Begeisterung sehr beeindruckend.
Seit der letzten 10 Jahre, so behaupten mehrere Quellen, sind Rumis
Werke mehr als die
jeden anderen Dichters in den Vereinigten Staaten verkauft
worden. Eine Suche nach seinem Namen im Internet führt zu 800.000
Hinweisen. Utensilien mit seinem Namen z.B. auf Kalendern,
Kaffee-Bechern und sogar T-Schirts erscheinen selbst auf Universitätsgeländen
und in den Buchhandlungen des Landes.
Doch Rumis Anerkennung wegen seiner Berühmtheit im Zeichen der
Pop-Kultur in den Vereinigten Staaten zu bagatellisieren, würde
falsch sein, genauso wie zu meinen, da seine Dichtung auf die
islamische Tradition zurückgehe, würde sie die Anliegen und Sorgen
von vielen Amerikanern nicht ansprechen.
Phyllis Tickle, Herausgeberin einer amerikanischen Wochenzeitschrift
behauptete, dass die Popularität von Rumi in den Vereinigten
Staaten auf „unser enormes Begehren nach geistiger Spiritualität“
zurückzuführen ist.
Coleman Barks, der in Tennessee geborene Dichter, der mit seinen Übersetzungen
des Werks von Rumi einen großen Beitrag zur Popularität des
Dichters in den Vereinigten Staaten leistete, argumentiert in ähnlicher
Weise, dass die fromm ekstatische Natur der Poesie von Rumi bei den
nach dieser Qualität suchenden Amerikanern große Resonanz fand.
Rumis poetische Fragen "Woher komme ich und was darf ich tun?"
sprechen zahlreiche Amerikaner an, die einen starken Sinn für die
Spiritualität besitzen.
Seit den Angriffen vom 11. September 2001 brachten einige Kommentatoren
das ganze auf einen Punkt: nämlich dass Rumi als eine wichtige Brücke
zwischen Amerikanern und Islam fungiere. Viele werden sicherlich mit
dem deutschen Dichter Hans Meinke übereinstimmen, wenn er die
Poesie von Rumi bezeichnete
als "die einzige Hoffnung seit den dunklen Zeiten ..., in denen
wir leben ".
Kein anderer half Amerikanern im Hinblick auf die Erweiterung ihrer
Kenntnisse über Rumi als sein amerikanischer Hauptübersetzer,
behauptete James Fadiman, ein US-Wissenschaftler:" Das
Geheimnis der Popularität von Rumi in den Vereinigten Staaten liegt
bei Coleman Barks. " Sein 1995 veröffentlichtes Werk über
„das Wesen der Dichtkunst Rumis“ war ein Ereignis, welches
hauptsächlich das Interesse Amerikas für diesen großen Dichter
der persischen Sprache erweckte.
In einem neulich geführten Interview deutete Barks an, dass seine
Mission, die Werke Rumis zu übersetzen, mit einem ungewöhnlichen
Zufall begann: " Ich hatte nie etwas von ihm gehört " räumte
er gegenüber dem berühmten amerikanischen Schriftsteller Robert
Bly ein, als er ihm eine in hochgestochener, akademischer Übersetzung
verfasste, im Jahre 1976 veröffentlichen Ausgabe seiner Poesie –
nämlich die einzige englische Übersetzung zu jener Zeit – überreichte
und sagte: "Diese Gedichte müssen aus ihrem Käfig befreit
werden".
Barks, der in Athens (Bundesstaat Georgia) lebte, machte sich bald
an die Arbeit. „Überzeugt von unserer stringenten Form der Übersetzungstradition
übertrug ich zunächst seine Verse frei ins moderne Englisch",
erklärte er seine erste Version. Auch wenn diese Methode unorthodox
erscheinen mag, sagte Barks, blieb mir aufgrund der Undurchlässigkeit
der Übertragung von Rumis Musikalität nichts anderes übrig, als
mich enorm anzustrengen, mich an Rumis Allegorien zu halten, auf
seinen Geist zu horchen, seinem Weg zu folgen und die Melodie und
Metrik seiner Dichtung mit zu übertragen und sie singen und
schwingen zu lassen.
Als Barks vor sieben Jahren an seinen Übersetzungen arbeitete, dachte
er kaum an ihre Herausgabe. Schließlich sandte er die Arbeit dem
amerikanischen Verleger Harper Collins, der die erste Ausgabe Rumis
veröffentlichte.
Der unerwartete Erfolg dieser Ausgabe führte zum außerordentlichen
Ruhm von „Rumis Wesen der Dichtkunst“ und zu weiteren von Barks
herausgegebenen Titeln. Seine Bücher sind insgesamt mit mehr als
500000 Exemplaren verkauft worden, was einen riesigen Erfolg für
einen Dichter bedeutete, von dem Barks, der ehemalige
Literaturprofessor, begeistert und voller Bewunderung meinte, dass
er den hervorragenden Leistungen des Dichters des 13. Jahrhunderts
entsprach.
Barks ist der Ansicht, dass Rumis Dichtung die Grenzen des
seelisch-psychischen und
persönlichen Individuums überschreite. Die von ihm verfasste
Dichtkunst ist transzendent, übersinnlich. Er hat eine „Theologie
der Freude“ in der mystischen Tradition entwickelt, dass das Göttliche
der Impuls aller freudigen Dinge des Lebens sei, lobte Barks Rumis
Erbe. Allein einen Körper zu besitzen und die Fähigkeit zu
empfinden, ist ein Anlass zur großer Begeisterung. Er sprach vom
Kern des religiösen Impulses, den zu loben eine Möglichkeit zur Glückseligkeit
ist.
Barks vergisst nicht auf, das Potential der Werken von Rumi hinzuweisen,
die die Barrieren zwischen Amerikanern und Moslems überwinden:"
[Amerikanern] sind zu viele Erscheinungen in der islamischen Welt
unbekannt. Eines dieser Phänomen ist Rumi. Wir verstehen die Schönheit
von Rumis Dichtung nicht ganz.“ Er hofft durch die Übersetzungen,
das Verstehen von Rumis Dichtung erleichtern und ein Zugang zu ihr
verschaffen zu können, um die Bereitschaft des freiwilligen
Gehorsams in seiner Poesie zu verstehen, welche eigentlich die
Essenz des Islams ausmacht.
Dieser Wunsch, die Kluft zwischen Islam und Amerika durch gegenseitige
Verständigung zu überbrücken, wird bald Barks zu Plätzen führen,
von denen er vermutlich nicht geträumt hatte, als er mit seinen Übersetzungen
anfing. Ende diesen Monats wird er nach Afghanistan reisen, in das
Geburtsland von Rumi, um aus der Dichtung von Rumi im Rahmen eines
von dem afghanischen Ministerium der Kultur und dem Außenministerium
der Vereinten Staaten gemeinsam organisierten kulturellen Programms
vorzutragen.
Während seiner Reise in Afghanistan beabsichtigt er, einige Städte,
einschließlich Balkhs, der Geburtstadt von Rumi, zu besichtigen.
" Jemand wird aus der Dichtung von Rumi in der Sprache Farsi
rezitieren, und ich werde sie auf englisch vortragen, und die Lesung
wird mit Musik umrahmt sein," kündigte Barks an.
Barks nimmt die Verheißungen seiner bevorstehenden Reise vorweg und
freut sich auf das Treffen einer islamischen Gruppe, die sich als
„Gottesnarren“ (Original auf Englisch „The Fools of God“)
bezeichnet und die die ekstatische Tradition von Rumi fortführt.
Auf genauen Nachfragen antwortete er strahlend, dass er die Gruppe
nicht kennt, und nun möchte er es herausfinden. Er freut sich auf
das bevorstehende Treffen und ist dafür wirklich dankbar.
Was für beide, Rumi und Coleman Barks, charakteristisch ist, ist die
Neugier, die Freude und das Verlangen nach Verständigung. Allgemeine
Sehnsucht nach Spiritualität zog die beiden eigentlich
unterschiedlichen Menschen an.
Dieser Artikel ist am 15.März 2005 erschienen
*
Originaltitel: Persian Poet Rumi Conquers America
**Rumi
wird im persischen Sprachraum als "Mawlana" bzw. "Mawlawi"
und in der Türkei als "Mewlana" bezeichnet.
Verfasser:
Steve Holgate, Washington:
15 March 2005
Quelle:
(The
Washington File is a product of the Bureau of International
Information Programs, U.S. Department of State. Web site: http://usinfo.state.gov) http://usinfo.state.gov/mena/Archive/2005/Mar/15-826238.html
Übersetzung:
Dr. Mir H. Sadri
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