zu Dichterinnen

  Malalai - eine heroische Frau

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Ihr zerrissenes Kopftuch machte sie zum Banner von Maiwand

 

Es ist nachvollziehbar, in welcher dramatischen Konfliktsituation Malalai sich befand und wie sie die zwei sittlich gleichberechtigten Phänomenen (Kopfbedeckung und Liebe zur Heimat) ausglich. Ein durchaus geeigneter Stoff für ein literarisches Drama!

Über den Geburts- und Todestag von Malalai, auch Malali genannt, einer der in allen Ecken und Enden des Landes berühmten Frau, gibt es keine Informationen. Doch von ihr stammen einige pathetische Gedichte in der Sprache Paschtu, die von Mund zu Mund weitergegeben und in der Sekundärliteratur niedergeschrieben sind. Sie verfasste Landais, deren erste Zeile aus 13 und die zweite aus 9 Silben besteht. Landai ist mit dem Minnesang vergleichbar. Überwiegend von Frauen spontan verfasst, wurden Landais auch von Frauen vorgesungen. In den Tälern des Hindukusch ist es Tradition, insbesondere an Wintertagen, Gedichtwettbewerbe mit Landai (Zweizeiler in Paschtu) und Dubeiti (Zweizeiler in Dari) zu veranstalten. In den Landais handelt es sich u.a. um Themen über Liebe, Freundschaft und Heldenmut.

Was für eine Kraft die Landai besaß, zeigte die von Malalai im Jahre 1880 spontan verfasste Landai im antibritischen Befreiungskampf, mit der sie die fast verlorene Maiwand Schlacht zugunsten der Freiheit und Unabhängigkeit des Landes wendete. Da Malalai ihr Vorname war, ist sie als „Malalai e Maiwandi“ (Malalai von Maiwand) bekannt.

Afghanische Frauen arbeiteten während der antikolonialen Befreiungskämpfe an der Front bei der Lebensmittelversorgung und im medizinischen Dienst. Frauen wie Nasu Anna (Anna = Großmutter), Gazi Ade (Ade = Mutter) und Malalai kämpften als Modjahed.

Da bei dem Namen von Malalai ein Zusatz wie „Anna“ (Großmama) und „Ade“ (Mutter) fehlt, wird mit Sicherheit davon ausgegangen, dass sie während des zweiten afghanisch-britischen Krieges ein junges Mädchen war. Ferner ist es üblich, dass die jungen Frauen grellfarbigen Kopftücher tragen, während die Kopftücher der älteren Frauen dezenter sind.

Während des Zweiten Afghanisch-Britischen Krieges zerriss Malalai in Kandahar ihr Kopftuch und hisste einen Teil ihres „Tschadars“ (wörtlich Zelt) als Flagge, eine Tat von hoher symbolischer Weite und Tragik. Junge Frauen nehmen ihre Kopftücher nur beim Tod ihrer Männer ab. Diese Gestik wird als Symbol der Schutzlosigkeit verstanden. Überlieferungen zufolge trug sie jenes Kopftuch als Fahne, mit dessen Teil sie zuvor einen verletzten Modjahed versorgte.

Die schwarz-rot-grüne Flagge Afghanistans, die in der Loya Jirga von 1928 verabschiedet wurde, soll die Heldentat von Malalai ehren.

Dieses Banner trug sie den afghanischen Kämpfern als Fahnenträgerin in der Maiwand-Schlacht voran, als der Flaggenträger gefallen war, und die afghanischen Modjahedin sich in einer ausweglosen Situation befanden. Dabei soll sie den folgenden Vers gerufen haben:

Ke pa Mai wand ke scha hid ne schoi Ze ma la liya 

be nan geitade satina

 

Falls du im Maiwand-Kampf nicht fällst, mein Liebling

wirst du der Treulosigkeit bezichtigt

 

Im folgendem nicht-verifizierten Gedicht über die Maiwand-Schlacht heißt es u.a.:

 

Wenn du in Maiwand-Kampf fällst und

tödlich am Rücken verletzt wirst,

werde ich dir nicht verzeihen.

Solltest du auf den Brust verletzt fallen,

werde ich dir aus meinem Zopf einen Totenkleid weben.

Somit ermunterte sie die Modjahedin durch ihre Kunst. Aufgrund ihrer Kühnheit ist sie als eine der couragiertesten Frauen in die afghanische Geschichte eingegangen. Manche bezeichnen sie als „Jeanne d`Arc“ (Jungfrau von Orleans). In jeder Stadt ist eine Mädchenschule oder ein Krankenhaus nach ihr benannt. In dem in den 20er Jahren von König Amanullah gegründeten Malalai-Mädchengymnasium in Kabul wurde Deutsch als Fremdsprache ab der 4. Klasse unterrichtet. Frau Marguerite Breshna verfasste für die Schule ein Lehrbuch und unterrichtete selbst seit den 30er Jahren an dieser bilingualen Mädchenschule. (mehr darüber www.afghan-aid.de/malalai_schule.htm)

Seitdem werden Frauen, die wegen ihrer besonderen Leistung etwa Mut geehrt werden, von dieser und jener Organisation mit dem Titel „Malalai“ geehrt. Doch Malalai Maiwandi gilt nach wie vor als Inkarnation des Heldenmuts, als Inbegriff des Zusammenhalts und als Symbol der Einheit aller Völker Afghanistans.

Malalai wird von allen Stämmen und Völkern Afghanistans geehrt.