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Pandschatantra ist nach der Bibel bzw. dem Koran das meist übersetzte Buch
der Welt, dessen Urschrift auf Fabeln, Märchen und Geschichten aus Indien
zurückzuführen ist. Dort sollen die "Fünf Bücher der Weisheit" bzw. ("Panj Ketab") als
Fürstenspiegel im Hofe für die Erziehung der Fürstensprösslinge verwendet worden
sein.
"Panj" bezeichnet in den indo-iranischen Sprachen
z. B. Sanskrit, Indisch, Dari, Farsi und Urdu die Zahl Fünf und der Begriff
"Tantra" umfasste die Begriffe Meditation, Musik, Tanz,
''Tiere'' und Opfergabe. Aufgrund der unterschiedlichen lautgerechten
Übertragung in andere Schriften wurden Begriffe wie "Panca tantra",
"Punjatantra" usw. für Pantschatantra verwendet.
Pandschatantra kann auf eine 4000 Jahre alte Epos-Dichtung als "Fürstenspiegel"
zurückblicken, als das indische Epos "Mahabharata" mündlich
rezitiert wurde und noch nicht schriftlich fixiert war. Die schriftliche Form
von Pandschatantra dürfte in der vedischen Zeit über 3000 Jahre alt sein.
Pantschatantra war auch der Name verschiedener Ausgaben der Sanskrit-Bücher.
Die auf Sanskrit zurückzuführenden Texte sollen bei Kuschanen
(überwiegend Buddhisten) und Sassaniden (überwiegend Anhänger von Zoroaster) als
Hofdichtung entwickelt worden sein.
Die lehrreichen Texte von Pandschatantra hatten ihre moralischen
Ursprünge in den großen Lehren wie Brahmanismus bzw.
Hinduismus, Zoroastrismus und Buddhismus, Weltanschauungen, die die
Wiedergeburt anerkennen. (Buddha soll in einem früheren
Leben ein Tier gewesen sein ). Die abendländische Antike kennt
einigermaßen auch diese Form der Tiergeschichten z.B. in Ovids "Metamorphose von
Pyramus und Thisbe". Diesen Stoff, der vor Christi Geburt entstanden
ist, griff Shakespeare für seine Verwandlungsgeschichte auf.
Die Fabeln, Märchen und Geschichten von Pandschatantra sind von Generation zu Generation,
von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent weitererzählt worden. In
jedem Kulturkreis bekam die Fabelsammlung einen anderen Namen: Pantschatantra,
Kalila Dimna und Panj Ketab. Die Erzähler der jeweiligen
Epochen und Regionen haben entsprechend ihrer Phantasien der Urquelle
weitere Dichtungen und Legenden hinzugefügt, sie geändert und
modifiziert. Auch Veränderungen seitens der Übersetzer sind nicht ausgeschlossen.
Diese Fabelsammlung rief auch
eine Weltliteratur in der Gattung "Fabel" hervor, die einzigartig in der
Geschichte ist. Pandschatantra bedeutet in diesem Zusammenhang "Fünf
Bücher aus fünf Kontinenten". Davon sind zahlreiche Variationen
(ca. 200) herausgegeben und in
viele Weltsprachen (ca. 60) übersetzt worden.
Zu den ersten nicht-indo-iranischen Übersetzungen zählen die in semitische Sprachen wie Hebräisch
und Arabisch. Erst die Übersetzung des am zoroastrischen Hofe erzogenen Ibne al Muqaffas
brachte den Durchbruch des literarischen Stoffes.
Ruzbeh Parsi mit dem Rufnamen "Daduyee" bekannt mit dem arabischen
Namen als Ibne al Muqaffa um
ca. 750 n. Chr. (soll nicht mit seinem Namensvetter, dem koptisch-ägyptischen
Bischof Servus bzw. arabisch ausgesprochen "Sarwios" Ibne al
Muqaffa um 987 n. Chr. verwechselt werden) übersetzte die Fassung aus den
Achämeniden-Schriften von Burzoe um 550 vor Christus. Khossrau bzw. Kyros II. beauftrage
Burzoe, nach Indien zu
reisen. Bis zur vollständigen
Islamisierung des Kulturkreises war Zoroastrismus bei Sassanidendynastien bis zu
ihrem Untergang die Staatsreligion.
Ibn al-Muqaffa (wörtl. "Sohn des Mannes mit ausgetrockneter
Hand") lebte ungefähr zwischen 725 und 760 n. Christus in der Provinz Pars und ist
als Anhänger von Zoroaster erzogen worden. Sein Vater war zum Mustofi
(Finanzverwalter) in der genannten Provinz ernannt worden, die wegen des Fehlens der
Buchstabe "P" im Arabischen "Fars"
genannt wurde. Man bezichtigte seinen Vater, öffentliche Gelder veruntreut zu
haben.
Somit war Ibn al Muqaffa "Ruzbeh" oder "Daduyee" mit den Texten des Pandschatantra in der Übersetzung des
Sassaniden-Arztes Burzoe vertraut. Die Übersetzung-Fassung von Ibne al
Muqaffa wird je nach lautlicher Übertragung als
"Kalila o Demna" bzw. "Kalila wa Dimna" bzw.
"Kalileh und Dimneh" bezeichnet.
Die arabische Fassung Kalila (Fuchs mit
guten Eigenschaften, oft weiblich) und Damna (Schakal mit Hinterlist,
häufig männlich) wurde erst durch
den Islam (Cordoba 711-1236 n. Chr.) in Spanien in Europa bekannt. Von hier aus ist
das Werk in mehrere europäische Sprachen übertragen worden; es wird auch mit
den Märchen-Geschichten von Eintausend- und Einer Nacht in Zusammenhang gebracht.
Rudaki (859-941), der Begründer der Dari-Dichtung hat Kalila Damna in Reimen verfasst.
Im ersten Gedicht dieser Fabelsammlung in metrischer Fassung schreibt
Rudaki:
Har ke na mocht az
gozasht e rozgar
Niez nayamozad ze
hetsch Amozgar
Wer nichts lernt aus
dem Lauf der Geschichte (auch dem Schicksal)
Lernt auch nichts -
von keinem Lehrer.
„Kalila
Damna“ wird häufig auf dem heutigen Boden Afghanistan „Panj Ketab“
(„fünf Bücher“) genannt. Kinder lernten in den Dorfschulen, in
„Koranschulen“ und in Familien mit besonderem Spaß lesen und schreiben. Das
Werk war Bestandteil der traditionellen Erziehung. In Winterzeit waren Märchen,
Fabel, Wort-Spiele und Kinderspiele um
Sandali die bewährten Mittel der Erziehung während der langen Nächten.
Ferdousi (940- 1020) widmete dem großen Dichter und seinem in gebundener
Sprache übertragenen Werk ein Kapitel seines Shahnama "Dastan
e Kalila o Danma".
"Dastan" bedeutet Geschichte, Märchen und Fabel. "Dam" bedeutet
im Dari bzw. Persischen "Tier" bzw. "Wild" oder "Falle" und die Nachsilbe "stan" bedeutet Garten,
Land, Ort. Der Konsonant "m" scheint im Laufe der Zeit durch
"Sandhi"
verschwunden worden sein.
Während der Moghol-Dynastie, in der Zeit des Shah Akbar,
Akbar dem Großen (1556-1605), wurde Kalila und Damna abermals von Sanskrit ins Dari übersetzt.
Akbar Shah war das Enkelkind von Sahiruddin Mohammad Babur (1483-1530), der
stark zum friedlichen Leben zwischen Hindus und Moslems beitrug. Babur war
der Begründer der Moghol-Dynastie. Kabul war die Hauptstadt, Agra war die
Residenzstadt und Dari bzw. Farsi war die Hofsprache der Moghol-Dynastie.
Das Buch beinhaltet 35 Fabeln. Von dieser Zeit sind eine Vielzahl von
Tierabbildungen entstanden, die selbst in arabischen Ausgaben von Kalila Damna
übernommen worden, eigentlich laut der islamischen Religion verpönt.
Diese Bücher wurden mit der Bezad' chen Miniaturkunst bemalt. Der Meister
dieser Kunst war Kamaluddin Mohammad Bezad (1450/60 bis 1535) bzw. Bihzad in Herat (heutige
Afghanistan).
- Der
Rabe und die Eulen
- Die
aufmerksame Maus
- Der
Rat des Vaters
- Nachteil
der Ungeduld
- Die
Juwelen und die Harfe
- Der
Einsiedler und seine Tochter
- Die
Freundschaft des Löwen und des Kamels
- Die
Freundschaft der Schildkröte und des Affen
- „Herz“
und des Esels Ohren
- Mühe,
Schönheit, Weisheit und Glückseligkeit
- Der
ehrenhafte Weltenwanderer
- Der
Prinz und die Lerche
- Der
König und der Brahmane
- [Taitoie]
- Drei
Fische
- Der
kluge Hase
- Der
Fuchs und die Trommel
- Der
Rabe und das Märchen vom Hasen sowie dem Rebhuhn
- Der
unerfüllte Wunsch
- Der
zerstreute Arzt
- Vorrat
für den Winter
- Gute
Freunde
- Der
Spracherwerb
- Der
Riese und der Dieb
- Der
geistesarme Vogel
- Der
brutale Löwe und der bedächtige Hase
- Der
hastige Löwe und der schlaue Fuchs
- Zwei
kleine Löwen
- Der
aufmerksame Hausbesitzer
- Der
Frosch und die Schlange
- Die
Krähe und die Schlange
- Die
Ente und die Schildkröte
- Der
Händler und der Eisendieb
- Der
alte Reiher
- „Alle
gemeinsam“
übersetzt aus: Paschman Akbarzadeh: "Ausgewähltes aus
Kalila Dimna - der Ethik-Unterricht" in: http://www.sharghnewspaper.com/830230/book.htm
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